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Berube und Binnington die unerwarteten Helden

Mit Craig Berube und Jordan Binnington feiert St. Louis zwei völlig überraschende Helden

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Das herbeigesehnte Eishockeymärchen ist für die St. Louis Blues wahr geworden. Durch einen 4:3-Erfolg nach Siegen über die Boston Bruins in der Stanley Cup-Finalserie 2019 setzten sich die Blues erstmals nach über 50 Jahren Ligazugehörigkeit die Krone auf.

Eine grandiose Leistung für ein Team, das zu Jahresbeginn nicht einmal im Ansatz von diesem Triumph träumen durfte, da es weit abgeschlagen von den Playoffplätzen am Tabellenende stand.

Hauptverantwortlich für eine der wohl spektakulärsten Trendwenden in der NHL-Geschichte waren zwei Protagonisten, die zu Saisonbeginn niemand ernsthaft auf dem Zettel hatte: Trainer Craig Berube und Torhüter Jordan Binnington.

Video: STL@BOS, Sp7: Binnington hält Bruins torlos im 1.

Der Erfolgstrainer mit dem Spitznamen 'The Chief' übernahm das Amt des Hauptverantwortlichen an der Bande im November 2018 von Mike Yeo. 

Binnington, obwohl schon 25 Jahre alt, spielte in der NHL bis Anfang 2019 keine wesentliche Rolle, er kam über Kurzeinsätze nicht hinaus und verbrachte seine Profi-Karriere zu großen Teilen in den Minor Leagues.

Mitte Juni, stehen beide auf der ganz großen Bühne des Welteishockeys und sogar im gleißenden Scheinwerferlicht des Interesses. 

Berube wurde im Dezember 1965 im kanadischen Calahoo (Alberta) geboren. Als Spieler brachte er es bei den Philadelphia Flyers, Toronto Maple Leafs, Calgary Flames, Washington Capitals und New York Islanders zu NHL-Ehren, für die er ab den späten 1980er-Jahren in 17 NHL-Spielzeiten 1054 reguläre Saisonspiele und 89 Playoff-Partien bestritt. 

Gedraftet wurde Berube übrigens nie, was für eine dermaßen lange Karriere im Rückblick überraschend erscheinen mag. Berube kam sozusagen als große Unbekannte in die Liga, was eine interessante Parallele zu seiner Trainerkarriere darstellt.

Denn auch als Coach war er, obwohl inzwischen schon 53 Jahre alt, vor seinem explosionsartigen Aufstieg im Jahre 2019 weitestgehend unbekannt. 

Viele Jahre fungierte er abseits des großen Rampenlichts. 2004, direkt nach seiner aktiven Zeit, wurde er Assistenztrainer der Philadelphia Phantoms in der American Hockey League. 

Vor der Spielzeit 2006/07 übernahm Berube den Posten als Cheftrainer der Phantoms, wurde jedoch durch Kjell Samuelsson an der Bande ersetzt, da er noch als Assistenz-Trainer bei den Philadelphia Flyers in der NHL unter Vertrag stand. 

Es dauerte bis zum Oktober 2013 bis der ambitionierte Übungsleiter von den Philadelphia Flyers zum Headcoach ernannt wurde, nachdem das Team die ersten drei Spiele der Spielzeit unter Trainer Peter Laviolette verloren hatte und sich von diesem trennte. Nachdem Berube die Flyers 2014 in die KO-Runde geführt hatte, verpasste er im Jahr darauf die Postseason und wurde in Folge dessen im April 2015 entlassen. 

Der Kanadier trat daraufhin einen Schritt zurück und betreute zur Saison 2016/17 das Farmteam der Blues, die Chicago Wolves in der AHL. Im Juni 2017 wurde er zum Assistenten von Yeo in St. Louis berufen.

Es folgte Berubes Glanzzeit. Eine Reise der Blues vom Tabellenende bis an die Spitze mit dem Gewinn des begehrtesten Titels im Eishockeysport.

Ähnlich märchenhaft verlief das Jahr für Rookie-Torhüter Binnington, der bis vor wenigen Monaten bei den Blues keine nennenswerte Rolle gespielt hatte, sich aber zu einem wahren Champion entwickelte.

Binnington, dessen größter sportlicher Erfolg zuvor eine Berufung in das First-All-Star-Team der OHL des Jahres 2013 war, spielte zu Saisonbeginn in den Überlegungen der Blues nur eine untergeordnete Rolle. 

Dass ausgerechnet er zum großen sportlichen Rückhalt des zu Rundenbeginn stark kriselnden Teams werden würde, hätte wahrlich niemand erwartet. Zu seinem ersten Saisoneinsatz kam er erst am 7. Januar 2019. 

Beim 3:0-Sieg gegen die Flyers legte er den Grundstein für eine legendäre Serie. Die Bilanz aus seinen ersten 20 Saisonspielen, lautete 16-3-1, bei einem Gegentorschnitt von 1,7 und einer Fangquote von 93,3 Prozent. Und es gelangen ihm fünf Shutouts. 

Binnington war aus dem Kasten seines Teams nicht mehr wegzudenken. Er half mit die Mannschaft aus dem Tabellenkeller zu führen und wurde im Februar 2019 zum Rookie des Monats ernannt.

 

[Hier findest du alles über die BOS-STL Serie]

 

Der an Nummer 87 (dritte Runde) im NHL Draft des Jahres 2011 ausgewählte Torsteher kam sprichwörtlich aus dem Nichts. In den vier Jahren vor seinem Durchbruch spielte er fast durchgehend in den Minor Leagues, kam am 14 Januar des Jahres 2016 lediglich zu einem Kurzeinsatz in der NHL.

Erst im Dezember 2018 wurde er wieder im Team berücksichtigt und durfte als Backup in der Schlussphase von zwei Spielen weitere Male NHL-Luft schnuppern.

Nach seiner abermaligen Abberufung aus San Antonio für den NHL-Kader in St. Louis folgte sein großer Durchbruch unter Coach Berube, mit dem ihn sein schier kometenhafter Aufstieg verbindet.

Beide beweisen, zu welch schöne Geschichten in der NHL im Laufe einer Spielzeit geschrieben werden und wieso wir diese Liga dermaßen schätzen.

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