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Condon, ein Held beim NHL Winter Classic 2016

von Bernd Roesch / NHL.com

Jedes Winter Classic Spiel bringt seine eigenen Stars hervor! Als die Boston Bruins zum ersten Mal an einem NHL Outdoor-Spiel teilhaben durften, war es ein deutscher Stürmer, der ihnen zwei Punkte bescherte. Am 1. Januar 2010 war Marco Sturm nach 117 Sekunden in der Verlängerung gegen die Philadelphia Flyers im Fenway Park das 2-1 Siegtor gelungen. Shawn Thornton hatte den Dingolfinger schön in Szene gesetzt und der ließ Flyers Torwart Michael Leighton keine Abwehrchance. Der glückliche Torschütze sprach anschließend davon, dass er von so etwas am Morgen noch geträumt habe und fügte hinzu, dass jeder Spieler in der Overtime treffen möchte - vor allem in einem solchen [besonderem] Spiel.

Auch beim Bridgestone NHL Winter Classic 2016 wurde ein Held geboren. Für Montreals Schlussmann Mike Condon war es etwas ganz Besonderes im Gillettes Stadium von Foxborough, nur 15 Meilen entfernt von seinem Geburtsort Hollister, auflaufen zu dürfen. Der 25-Jährige spielte in jungen Jahren im Großraum Boston auf der High School von Belmont Eishockey bevor er vier Jahre lang den Kasten der Princeton University Tigers hütete und er fühlt sich noch immer tief verbunden mit seiner Heimatregion. Vor der heutigen Partie beschrieb er seine Gefühle: "Ich habe mir, als ich hier aufwuchs, viele Spiele der Patriots in Foxborough angesehen, aber ich hätte es mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, hier einmal Eishockey zu spielen. Sollte ich den Vorzug im Tor bekommen, muss ich mich aber wie auf jedes andere Spiel vorbereiten."

Es fanden sich auch viele Freunde und Verwandte von Condon ein, um ihn bei seinem ersten NHL Winter Classic zu unterstützen. Man hätte nun auch denken können, dass der us-amerikanische Schlussmann, der seine erste NHL-Saison bestreitet, Nerven zeigen könnte. Von Nervosität seinerseits war aber keineswegs etwas zu spüren. Es schien eher so, dass ihn die beeindruckende Kulisse von über 67.000 Zuschauern in dem Football Stadion zu Höchstleistungen anspornte. Er hatte sich auch sehr gut auf die Lichtverhältnisse eingestellt, die sich von denen in einer Eishockeyarena deutlich unterscheiden.

In die Karten spielte den Canadiens und ihrem Torsteher die frühe Führung von David Desharnais. Die Bruins wirkten davon so beeindruckt, dass sie danach im ersten Drittel nur noch dreimal Condon prüften. Als nach der Pause der Druck auf Condons Gehäuse zunahm, war er stets zur Stelle. Während Boston zur Mitte des zweiten Durchgangs zweimal mit einem Mann mehr auf dem Eis standen, scheiterten sie mehrmals an dem großartig reagierenden Torwart mit der Nummer 39 auf dem Rücken. Die schönste Parade zeigte Condon zehn Sekunden vor Drittelende: Ryan Spooner kam aus kurzer Distanz völlig frei zum Schuss, doch bei seiner Direktabnahme brachte der Schlussmann der Canadiens noch rechtzeitig den Arm hoch und die schwarze Hartgummischeibe landete direkt in seiner Fanghand.

Condon ließ sich auch nicht davon beeindrucken, dass ihm Matt Beleskey zu Beginn des Schlussabschnitts seine Schutout-Ambitionen zunichte gemacht hatte. Er blieb selbst während der anschließenden Drangperiode der Bruins, die sichtlich noch einmal Lunte gerochen hatten, der ruhige und gelassene Rückhalt der Gäste. Einen weiteren Gegentreffer ließ Condon nicht mehr zu und konnte sich über 27 Rettungstaten freuen.

Dementsprechend ist es wenig verwunderlich, dass sich nach dem Ertönen der Schlusssirene eine Spielertraube um Condon bildete, um ihm für seine Leistung zu gratulieren. Kurz nachdem er das Eis verlassen hatte, sprach er mit einem Lächeln auf dem Gesicht davon, dass ihm dieses Spiel unheimlich viel Spaß bereitet habe und er diese Erfahrung nicht mehr missen möchte.

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