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Chicago Blackhawks: Der Motor stottert heftig

von Axel Jeroma / NHL.com

Es hat schon sein Gutes, dass man beim Eishockey einen Helm und weite Trikots tragen muss, mögen sich die Spieler der Chicago Blackhawks am Mittwochabend gedacht haben.

So blieb der Kundschaft im heimischen United Center wenigstens verborgen, wie zerzaust sie zur ersten Pause in die Katakomben schlichen, nachdem sie zuvor 20 Minuten lang von den Dallas Stars gehörig durcheinandergewirbelt worden waren. 0-4 lagen sie zu diesem Zeitpunkt bereits zurück.

Am Ende der Begegnung stand ein 2-6 auf dem Spielberichtsbogen.

Die saftige Heimniederlage bestätigte einmal mehr, was zuletzt in den Arenen der NHL deutlich vernehmbar war:

Der Motor des amtierenden Stanley-Cup-Champions stottert und muss schleunigst überholt werden. Sonst droht auf der Dienstfahrt hin zur angestrebten Titelverteidigung ein womöglich nicht mehr reparierbarer Schaden. Vor allem, wenn in den Playoffs die Besten der Liga den Weg kreuzen.

Speziell die mäßigen Darbietungen der Blackhawks in eigener Halle sorgten für betretene Mienen beim Management und der sportlichen Leitung. Die Abfuhr gegen die Stars war die vierte Heimniederlage nacheinander. 3-5-2 lautet Chicagos Bilanz aus den vergangenen zehn Begegnungen.

Dass die Blackhawks dennoch weiter auf Playoff-Kurs liegen, verdanken sie ihrer beeindruckenden Siegesserie zwischen dem 29. Dezember und 19. Januar. Zwölfmal hintereinander schüttelten sie in diesem Zeitraum nach 60 Minuten die Hände unterlegener Kontrahenten und stellten damit einen Franchiserekord auf. Diese Glanzzeit ist passé.

In der Central Division liegt Chicago (42-25-7) mit 91 Punkten auf dem dritten Platz, hinter den Stars und den St. Louis Blues.

Der Abstand zum derzeitigen zweiten Wildcard-Inhaber im Westen, die Minnesota Wild beträgt kommode zehn Zähler.

Da die Belegschaft aus Dallas keine Laufkundschaft, sondern den Branchenprimus in der Western Conference darstellt, ist eine Niederlage natürlich immer in Betracht zu ziehen.

Doch die Art und Weise, wie sie zustande kam, hinterließ eine Reihe konsternierter Sportfreunde unter den Blackhawks.

Zumal es seit jenen glorreichen Tagen zu Jahresbeginn bereits fünf Pleiten mit fünf oder mehr Gegentreffern gab – die Partie gegen die Stars inbegriffen.

"Ich weiß nicht recht, was da los ist“, sagte Rechtsaußen und Top-Scorer Patrick Kane mit einem Hauch Ratlosigkeit.

Er führt die NHL-Scorerwertung mit 92 Punkten (39 Tore, 53 Vorlagen) an, blieb gegen Dallas jedoch erfolglos und – ebenso wie das Gros seiner Teamkollegen – weit unter seinen spielerischen Möglichkeiten.

"Wenn man hinten liegt, darf man sich nicht verrückt machen. Man muss versuchen, sich über sein gewohntes System ins Match hineinzuarbeiten, den Puck zu kontrollieren und Chancen herauszuspielen. Das ist uns heute jedoch überhaupt nicht gelungen“, analysierte der Angreifer ernüchtert.

Als anfällig erwies sich einmal mehr die Defensive der Blackhawks.

Gegen die Stars machte der gesamte Abwehrblock um Routinier Brent Seabrook und Trevor van Riemsdyk keinen souveränen Eindruck. Mit dem verletzungsbedingten Fehlen von Stammtorhüter Corey Crawford allein lässt sich dies nicht erklären.

Handlungsbedarf zur Verstärkung des hinteren Bereichs hatten Coach Joel Quenneville und General Manager Stan Bowman offenbar schon länger ausgemacht. Zur Trading Deadline Ende Februar stellten sie den deutschen Verteidiger Christian Ehrhoff von der Organisation der Los Angeles Kings ein.

"Er kann uns mit seiner Erfahrung helfen. Er führt den Puck sicher und schießt gut. Das verleiht unserer Defensive zusätzliche Qualität im Spiel nach vorne“, begründete Quenneville seine für Fachleute durchaus überraschende Entscheidung, den gebürtigen Moerser nach Chicago zu holen. Zumal ihn die Kings gerade erst ins Farmteam abgeschoben hatten.

"Ich freue mich riesig über die neue Chance in der NHL. Chicago ist eine gute Adresse und gehört zu den Titelfavoriten“, sagte Ehrhoff über seinen neuen Arbeitgeber. Bei den Blackhawks hat der 33-jährige die womöglich letzte Gelegenheit in seiner langen NHL-Karriere, den Stanley Cup zu gewinnen.

Nach einem verheißungsvollen Auftakt mit viel Eiszeit in den ersten beiden Begegnungen und einem Assist gegen die Boston Bruins, fiel sein Leistungsnachweis in der Folge recht dürftig aus. Gegen die Philadelphia Flyers am 16. März wurde er nur noch zehn Minuten eingesetzt. Zuletzt zählte er dreimal hintereinander gar nicht zum Aufgebot.

Wenn die Abwehr nicht dicht zu kriegen ist, hilft nur ein gängiges Rezept, um erfolgreich zu sein: Vorne ein Tor mehr erzielen, als man hinten bekommt. Die Qualität im Angriff ist zweifelsohne vorhanden. Neben Kane haben auch Jonathan Toews (50) und Rookie Artemi Panarin (64) die 50-Punkte-Marke geknackt.

Darüber hinaus gibt es weitere Stürmer, die jederzeit für einen Treffer gut sind, wie etwa Marian Hossa. Zweimal muss er noch knipsen, dann hat er die 500 Tore in der NHL voll.

Vermutlich wird sich Coach Quenneville nicht einseitig auf seine Abteilung Attacke verlassen.

Bis Samstag hat er Zeit, dem gesamten Mannschaftsgefüge wieder jene Stabilität zu verleihen, die einem Champion zur Ehre gereicht. An diesem Tag steht die Partie bei den Calgary Flames auf dem Spielplan. Es folgen zwei weitere Auftritte in der Fremde, bei den Vancouver Cunucks und den Minnesota Wild.

Alles hervorragende Möglichkeiten, um zu überprüfen, ob der Blackhawks-Motor weiterhin komische Töne von sich gibt oder wieder rund läuft.

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