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Capitals und Penguins vor dem Showdown

Washington und Pittsburgh gehen mit unterschiedlicher Gemütslage ins entscheidende Spiel 7

von Axel Jeroma / NHL.com/de Autor

WASHINGTON - Die Stimmungslage vor dem Showdown in Spiel 7 könnte unterschiedlicher nicht sein. Bei den Washington Capitals ist man euphorisch, bei den Pittsburgh Penguins frustriert. Ausschlaggebend dafür sind die Nachwirkungen des Aufeinandertreffens vom Montagabend, das die Hauptstädter mit 5:2 gewannen. Damit steht es in der Playoff-Serie der zweiten Runde zwischen den beiden Rivalen aus der Metropolitan Division 3:3. Beim Duell am Mittwoch im Verizon Center in Washington geht es um alles oder nichts.

Die Trainer spiegelten die voneinander abweichenden Gemütszustände beider Mannschaften vortrefflich wider. "Wir haben richtig Spaß im Moment. Und als Spaßtruppe waren wir nicht nur ein gutes Team, sondern auch ein unüberwindbares Hindernis", frohlockte Capitals-Coach Barry Trotz nach der Partie in Pittsburgh. Sein Amtskollege Mike Sullivan von den Penguins kam dagegen sauertöpfisch daher. "Es ist enttäuschend, wenn man die Chance hat, mit einem Sieg die Serie für sich zu entscheiden und dann nicht so auftritt, wie man es tun sollte. Eigentlich waren wir uns einig, dass wir das Match konzentriert angehen und die Gelegenheit beim Schopf packen. Dem war leider nicht so", brummte er.

Auf Sullivan kommt in den nächsten Stunden die Aufgabe zu, seine geknickte und erkennbar verunsicherte Mannschaft moralisch aufzurichten. Darüber hinaus sollte er in Betracht ziehen, neue Impulse zu setzen, wie es Trotz mit der Versetzung von Alex Ovechkin in die dritte Sturmreihe getan hat. Ein Winkelzug, der seine Wirkung in den vergangenen zwei Spielen voll entfaltete.

Im Training deutete sich eine solche Personalrochade bei den Penguins bereits an. Bei der Einheit am Dienstag rückte Bryan Rust in die erste Reihe an die Seite von Sidney Crosby und Jake Guentzel. Rookie Guentzel hatte am Montag zusammen mit Evgeni Malkin gespielt. In der vierten Reihe könnte Carter Rowney anstelle des angeschlagenen Tom Kuhnhackl zum Einsatz kommen. Kühnhackl bestritt bisher alle elf Playoffs-Partien der Penguins.

Video: WSH@PIT, Sp6: Guentzel nutzt Crosbys schnelle Vorlage

Als Fehlgriff ist dagegen Sullivans Maßnahme zu werten, am Montag Chad Ruhwedel für den verletzten Trevor Daley in der Verteidigung aufzubieten und nicht den Schweizer Routinier Mark Streit. Pittsburghs Coach will offenbar seiner im Vorjahr praktizierten Linie treu bleiben und setzt daher auch in den Playoffs auf Akteure, die den Aufstieg aus dem Farmteam schafften. Nur garantiert diese Methode nicht automatisch Erfolg, wie sich am Beispiel Ruhwedel zeigte. Der war bei seinem ersten Playoff-Einsatz zwar kein Ausfall, vermochte jedoch das Angriffsspiel der Capitals nicht wirksam einzudämmen.

Penguins-Goalie Marc-Andre Fleury übte sich im Hinblick auf Spiel 7 in Zweckoptimismus. "An unserer Situation hat sich nichts verändert. Wir brauchen nach wie vor nur noch einen Sieg. Und dass wir dort gewinnen können, haben wir in dieser Serie schon gezeigt", sagte er mit Verweis auf das eindrucksvolle 6:2 in Spiel 2 in Washington.

Für ein Weiterkommen der Penguins spricht zudem ihre Bilanz über die Jahre in den entscheidenden siebten Begegnungen. Acht Siege und sieben Niederlagen gab es dabei bislang für Pittsburgh. Besonders bemerkenswert: Von den acht Erfolgen gelangen fünf auswärts, darunter zwei in Washington. Die Gewinn- und Verlustrechnung der Capitals nimmt sich diesbezüglich bescheiden aus. Vier Siegen stehen zehn Niederlagen in einem siebten Spiel gegenüber. Allerdings ist ihre Erfolgsquote auf heimischen Eis mit drei gewonnenen Partien besser als die der Penguins.

Doch statistische Parameter werden das bevorstehende Spiel im Verizon Center nicht entscheiden. Die Penguins müssen versuchen, wieder mehr Gefahr vor dem Tor von Capitals-Schlussmann Braden Holtby heraufzubeschwören und zugleich konzentriert in der eigenen Zone zu arbeiten.

Ungemach für Pittsburghs Defensive droht derzeit besonders von Nicklas Backstrom. Er ist mit 13 Punkten (sechs Tore, sieben Vorlagen) momentan Washingtons Top-Scorer in den Playoffs. Am Montag schoss er das 26. Playoff-Tor seiner Laufbahn für die Capitals. Damit überholte er Dale Hunter und liegt nun auf dem dritten Platz der ewigen Franchise-Torschützenliste in den K.o.-Runden.

"Wir wollten Spiel 7 unter allen Umständen erzwingen. Natürlich kann am Mittwoch alles passieren. Aber ich denke, dass wir jetzt auf einem guten Weg sind, die Serie für uns zu entscheiden", sagte Backstrom.

Video: WSH@PIT, Sp6: Burakovsky erzielt sein zweites Tor

Einen ausgeprägten Torhunger legte zuletzt auch Andre Burakovsky an den Tag. In den vergangenen zwei Begegnungen erzielte er drei Treffer. "Das kommt von meinem Selbstvertrauen, das ich mir in den Playoffs erarbeitet habe", begründete der Angreifer seinen Flow.

Der Gemütszustand beider Mannschaften wird sich in dieser Serie definitiv nicht mehr angleichen. Ein Team wird nach Spiel 7 euphorisch ins Conference Finale im Osten einziehen, das andere frustriert aus den Playoffs um den Stanley Cup ausscheiden. Fragt sich nur noch, auf wen was zutrifft.

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