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Die Washington Capitals vor Herausforderungen

Nach der spektakulären Vertragsverlängerung von Kuznetsov und dem Abgang von Johansson ist der GM gefordert

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

Selten bewegt war auch das vergangene Wochenende für alle Eishockeyfreunde, die es in ihren Herzen mit den Washington Capitals aus der besten Eishockeyliga der Welt halten.

Am Samstag hieß es zunächst einmal Abschied nehmen von einigen vertrauten, ja über die Jahre liebgewonnenen Gesichtern. Die Free Agents Kevin Shattenkirk, Karl Alzner und Justin Williams unterschrieben allesamt Verträge bei anderen Teams, kehrten der US-Hauptstadt somit von einem Tag auf den anderen den Rücken.

Dann am Sonntag wurde Evgeny Kuznetsov mittels eines neuen, eines gigantischen Acht-Jahres-Vertrages weiterhin an die Franchise gebunden. Marcus Johansson hingegen wurde wenig später an die New Jersey Devils abgegeben.

Ganz schön viele wichtige Neuigkeiten also für ein einziges Wochenende.

Man versuchte am Sonntag trotzdem die gute Nachricht in den Mittelpunkt zu stellen. "Evgeni ist ein erstklassiger Center in der NHL, und wir sind sehr erfreut, dass er nun in Washington langfristig bleiben wird, zumindest erst einmal die nächsten acht Jahre" so General Manager Brian MacLellan am Sonntagabend.

"Es ist schwer Spieler seines Kalibers zu finden. Er macht jeden seiner Teamkollegen besser. Er hat so viel Talent, Geschwindigkeit, und er weiß worauf es ankommt, wenn man in der NHL gewinnen will."

Und tatsächlich: Der 25-Jährige hatte 59 Punkte (19 Tore, 40 Assists) in 82 Saisonspielen zuletzt, wurde damit teamintern drittbester Scorer der Capitals.

Video: NYR@WSH: Johansson, Kuznetsov in Koproduktion zum Tor

Seine Ausbeute ein Jahr zuvor war sogar jeweils ein Karrierebestwert in Sachen Tore (20), Assists (57) und Punkte (77), als er das Team nach der Saison 2015-16 mit einem Plus/Minus-Wert von +27 anführte.

Während man in der US-Hauptstadt mit dem Abgang der vorab genannten Free Agents in der einen oder anderen Form durchaus zu rechnen hatte, überraschte vor allem der Johansson Trade viele Beobachter am Sonntag dann doch sehr. Allgemein geht man inzwischen auch heute noch davon aus, dass der Vorgang die Franchise wohl noch länger beschäftigen dürfte.

Spekuliert wird in diesen Stunden daher besonders viel über die mögliche, zukünftige Zusammensetzung der einzelnen Reihen im NHL-Team der 'Caps'.

Kuznetsov wird mit knapp 8 Mio. US$ den Haushalt des Teams aus Washington belasten und auch mit dieser recht erheblichen Summe in Sachen 'Salary Cap' zu Buche schlagen. Damit stößt er nun endgültig, auch finanziell in Dimensionen vor, wie sie auch für Backstrom in den Statistiken stehen. Damit ist auch nach außen ja schon gut sichtbar dokumentiert, dass ihn die Teamverantwortlichen für einen absoluten Top-Center halten und auch entsprechend belohnen.

Die Zeiten als 'Talent' sind damit offensichtlich endgültig vorbei. Dies wird auch auf den Aufbau des Kaders weitere Konsequenzen haben.

Will man die Topstars des Teams gleichmäßiger auf die Reihen des NHL-Teams verteilen, dann könnte durchaus eine Trennung von Alex Ovechkin und Nicklas Backstrom angedacht sein. Wird 'Ovi' in Zukunft eventuell gemeinsam mit Kuznetsov agieren? Noch gilt es das abzuwarten. Doch die Möglichkeit dürfte nach Ansicht vieler Insider nun offenbar tatsächlich angedacht sein. Eine zukünftige erste Reihe, gebildet mit den beiden, das klingt durchaus realistisch. Backstrom würde seinen Platz dann wohl in Reihe Zwei einnehmen.

Bevor Johansson in Richtung New Jersey abgegeben wurde, da schien das Team noch mit Stürmern fast überladen zu sein. Nun, nach seinem Abgang, gibt es womöglich plötzlich Platz für Nachwuchskräfte in der vierten Reihe.

Ob das am Ende nicht zu riskant wäre? Viele Beobachter sehen die möglicherweise nachrückenden Akteure wie Brett Conolly und Tom Wilson noch nicht so weit diese Rolle auf Dauer auch ähnlich erfolgreich ausfüllen zu können.

Die Rolle von Wilson dürfte nach seinen zuletzt ordentlichen Auftritten in den Playoffs jedoch unzweifelhaft größer werden. Wie groß, das muss aktuell noch spekuliert werden.

Gleich zwei Rookies in der vierten Reihe einzusetzen dürfte jedoch ein nicht gerade kleines Risiko für einen selbsterklärten Titelanwärter in der NHL darstellen.

Doch die ambitionierte Franchise hat derzeit, nachdem die Verträge mit T.J. Oshie um acht Jahre ($46 Mio.US$), Dmitry Orlov um sechs Jahre (30,6 Mio. US$) zuletzt ja bereits langfristig verlängert wurden, nur noch rund neun Millionen US$ an frei verfügbarem Budget bis zur Höchstgrenze des Salary Cap zur Verfügung.

Und vermutlich ist das wenige Geld, welches das Team aktuell noch an Platz im Salary Cap frei hat, sicherlich hauptsächlich für die Verlängerung der Verträge der Restricgted Free Agents Burakovsky und Philipp Grubauer angedacht.

General Manager Brian MacLellan steht da nach wie vor einigen schwerwiegenden Entscheidungen. Was macht er mit den geringen finanziellen Reserven ganz konkret? Er muss die unterschiedlichen Überlegungen sehr gut abwägen, wenn er das Team nicht anfällig und schwächer in die neue Saison gehen lassen will.

Video: LAK@WSH: Grubauer stoppt Gaborik, holt sich den Puck

So gesehen schrumpft auch die Möglichkeit noch einen gestandenen Verteidiger für den Kader hinzuzugewinnen mit jedem Tag der in der Free Agent Phase nun vergeht. Grubauer wäre in den Augen vieler noch ein geeignetes Tauschobjekt. Doch der Markt für Torhüter erscheint in der NHL aktuell doch arg beschränkt. Und noch mehr Kadertiefe dürfen die Caps nach den bereits zahlreichen Abgängen der letzten Tage eigentlich auch nicht mehr einbüßen, wenn es nach der Meinung vieler Teaminsider geht.

Es bleibt also noch immer sehr spannend in den nächsten Stunden und Tagen rund um die Washington Capitals.

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