VGK@MTL, Sp4: Byron schließt Breakaway im 2. ab

Die Montreal Canadiens und die Verlängerung - das war in den diesjährigen Stanley Cup-Playoffs bislang eine sehr erfolgreiche Kombination. Wann immer es nach 60 Minuten unentschieden stand und es einen Nachschlag gab, waren die Canadiens zur Stelle und entschieden die Partie für sich. Angefangen hat das in der ersten Runde gegen die Toronto Maple Leafs. Dort bezwangen die Canadiens den Favoriten in Spiel 5 mit 4:3 und in Spiel 6 mit 3:2. Es war der Grundstein für die erste Überraschung des Teams aus der Provinz Quebec.

In Runde zwei gewannen sie Spiel 4 gegen die Winnipeg Jets mit 3:2 nach Verlängerung und sorgten so dafür, dass das Team aus Manitoba die Eishockey- gegen die Golfschläger tauschen musste. Und auch gegen die Vegas Golden Knights hatten die Canadiens schon gute Erfahrung mit der Overtime gemacht. In Spiel 3 behielten sie nach zweimaligem Rückstand mit 3:2 die Oberhand.
Doch in Spiel 4 der Serie des Stanley Cup Halbfinales gegen die Golden Knights hat es die Canadiens zum ersten Mal in der Verlängerung erwischt. 1:2 verloren sie in eigener Halle, weil Nicolas Roy wartete und wartete, sich auch von einem ersten Fehlschuss gegen Carey Price nicht irritieren ließ und den wieder einmal überragenden Keeper der Gastgeber zum entscheidenden Treffer überwand.

VGK@MTL, Sp4: Roy haut eigenen Rebound in OT rein

Dabei hatten die Canadiens auch diesmal wieder fast alles richtig gemacht. Im Verbund sorgen sie weiterhin dafür, dass sich die beiden Top-Reihen der Golden Knights schwertun und fast nicht zum Zuge kommen. Erneut mussten für die Gäste Spieler wie zum Beispiel Brayden McNabb, der zum zwischenzeitlichen 1:1 traf, in die Bresche springen, weil Mark Stone, Alex Tuch oder Reilly Smith einmal mehr blass blieben. Stone und Smith verbuchten jeweils keinen einzigen Schuss aufs Tor, Tuch prüfte Price im Tor der Canadiens ein einziges Mal.
"Wir haben eine gute Partie gespielt und nicht viel zugelassen", befand Montreals Verteidiger Joel Edmundson. Vor allem in der Defensive standen die Gastgeber gut. Nur 21 Torschüsse der Gäste ließen sie zu. 19-mal blockten sie die Versuche der Golden Knights. Und wenn doch mal was durchkam, dann sei Price wie immer zuverlässig zur Stelle gewesen.
Das Manko der Canadiens war diesmal die Offensive. "Wir müssen einfach einen Weg finden, mehr Tore zu schießen", drückte es Edmundson aus. Dabei gingen ihm wohl noch die Szenen aus dem ersten Drittel durch den Kopf. Brendan Gallagher, Jesperi Kotkaniemi, Joel Armia, Eric Staal und Tyler Toffoli hätten da schon für eine beruhigende Führung, wenn nicht sogar für die frühe Vorentscheidung sorgen können.
Und kurz vor dem 1:1 hatte Cole Caufield per Alleingang die Chance, auf 2:0 zu erhöhen. Doch er kam nicht an Robin Lehner im Kasten der Golden Knights vorbei. Luke Richardson, der hinter der Bande der Canadiens erneut Coach Dominique Ducharme vertrat, war dennoch zufrieden mit der Leistung seines Schützlings. "Er hat sich ein paar gute Chancen herausgespielt. Er ist sehr dynamisch. Er lernt schnell und wird mit jedem Tag besser." Diese eine verpasste Möglichkeit werde ihn nicht aus der Bahn werfen. "Er weiß, dass er die nächste Chance bekommt, wenn er so weiterspielt."
So endete die Serie des in den Playoffs bislang gut aufspielenden Rookies, der zuvor in fünf Spielen nacheinander mindestens einen Scorerpunkt verbucht hatte. Der Torwartwechsel bei den Gästen habe die Mannschaft allerdings nicht aus der Ruhe gebracht, war die einhellige Meinung bei den Spielern der Canadiens. Selbst wenn Lehner etwas größer und kräftiger ist als Marc-Andre Fleury und die beiden jeweils einen anderen Stil pflegten.
"Wir hatten ein paar Chancen, konnten sie aber nicht verwerten", sagte Richardson. Montreals Coach Ducharme ist nach einem positiven Corona-Test weiterhin in Quarantäne, hat aber nach eigener Aussage täglich über Zoom Kontakt zur Mannschaft. Sein Assistent und derzeitiger Stellvertreter bekräftigte, dass es natürlich etwas frustrierend und enttäuschend sei, in der Verlängerung zu verlieren. Zumal die Spieler eine gute Leistung gezeigt hätten. Der Einsatz habe gestimmt, sowohl in der Defensive als auch in der Offensive. Weshalb der ehemalige Verteidiger mit über 1400 NHL-Spielen, unter anderem für die Toronto Maple Leafs, Philadelphia Flyers, Edmonton Oilers und Columbus Blue Jackets, zuversichtlich vor der nächsten Aufgabe ist.

Luke_Richardson

Dazu haben die Canadiens allen Grund. Zum einen, weil sie einfach einen Lauf in den Playoffs haben und schon mehrfach unter Beweis gestellt haben, dass sie sich vor niemandem verstecken müssen. Zum anderen, weil sie auch in Spiel 4 die Schwächen der Golden Knights mit schnellem Umschaltspiel und langen Pässen aus der eigenen Defensive heraus aufgedeckt haben. So zum Beispiel bei der schon erwähnten Chance für Caufield, aber auch beim 1:0, als Nick Suzuki seinen Stürmerkollegen Paul Byron mustergültig bediente und dieser die Abwehr der Gäste stehen ließ.
So muss den Canadiens nicht bange sein, wenn es jetzt für Spiel 5 zurück in die Wüste Nevadas geht. "Wir spielen gut. Wir werden ein paar Veränderungen vornehmen und bereit sein", betonte Richardson. Und auch die erste Pleite nach Verlängerung wird das Team nicht aus dem Tritt bringen. "Wir sind okay. Es ist natürlich schade, wenn man als Spieler alles gibt und dann nach Verlängerung verliert. Aber das muss man verdrängen", sagte er. Er wolle sich auf die positiven Dinge konzentrieren und diese für Spiel 5 am Dienstag (9 p.m.; NHL.TV; Sport1, DAZN; Mi. 2 Uhr MESZ) ein weiteres Mal hervorholen. Zum Beispiel den guten Start.
Und wenn es dann wiederum in die Verlängerung gehen sollte, kann man sich bei den Golden Knights darauf verlassen, dass die Canadiens diese Herausforderung annehmen und versuchen werden, daraus wieder eine erfolgreiche Kombination zu machen.