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Ein Abstauber bringt für Rieder die Erlösung

"Breaking the Ice": Der Landshuter spricht über sein erstes Tor nach langer Durststrecke und verrät, wie man harte kanadische Winter übersteht

von Axel Jeroma @NHLde / NHL.com/de Freier Autor

Während der regulären Saison 2019/20 bringt NHL.com/de jeden Donnerstag eine Story aus der Rubrik "Breaking the Ice". Darin stellen wir jeweils einen Spieler vor und holen von ihm in fünf abschließenden Fragen seine Meinung zu verschiedenen Themen rund ums Eishockey und auch darüber hinaus ein.

In dieser Folge: Tobias Rieder (Calgary Flames)

Es war der Moment, auf den Tobias Rieder so lange gewartet hatte: Wenige Sekunden vor Schluss der Begegnung zwischen den Calgary Flames und den Washington Capitals am 22. Oktober stand er goldrichtig und chippte einen abgeprallten Puck aus kurzer Distanz in die Maschen. Mit diesem Treffer beendete der Landshuter, der seit Saisonbeginn in Diensten der Kanadier steht, eine 75 Spiele anhaltende Torflaute.

 

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Seit 5. April 2018 war der Name Rieder nicht mehr unter den Torschützen im Spielberichtsbogen aufgetaucht. Seinerzeit trug er noch das Trikot der Los Angeles Kings. Dazwischen lag eine komplette Spielzeit bei den Edmonton Oilers, in der dem Angreifer das Pech regelrecht am Schläger zu kleben schien. Obwohl er alles versuchte, fand die Scheibe bei seinen 67 Einsätzen einfach nicht den Weg über die Linie. Nach jenem erlösenden Augenblick im Spiel der Flames gegen die Capitals war sämtlicher Frust darüber jedoch endgültig passé.

"Man freut sich immer, wenn man ein Tor schießt. Aber nach so langer Zeit mal wieder eins zu machen, war besonders schön und eine große Erleichterung für mich. Leider fiel es sehr spät und wir haben das Spiel verloren", sagte Rieder rückblickend im Gespräch mit NHL.com/de. Der ausbleibende Erfolg im Abschluss habe ihm zugesetzt, räumt er unumwunden ein. "Man sagt sich zwar einerseits, dass es schon irgendwann passieren wird. Aber andererseits macht sich jeder Sportler Druck, wenn es nicht läuft. Das war bei mir nicht anders. Deshalb bin ich froh, dass diese Zeit vorbei ist."

Video: MIN@LAK: Brickley macht 1. Assist bei Rieders Tor

Am 5. Dezember legte der Center der vierten Angriffslinie der Flames mit einem herrlichen Shorthander gegen die Buffalo Sabres nach. Bei einem Konter schob er dem gegnerischen Schlussmann Linus Ullmark den Puck gekonnt durch die Beine und markierte sein zweites Saisontor. Mit diesem Treffer war der Knoten bei Rieder endgültig geplatzt. In den folgenden neun Partien bis zur Weihnachtspause verbuchte er fünf Assists. Nach 30 Auftritten in der laufenden Hauptrunde sind für ihn nunmehr sieben Scorerpunkten verzeichnet.

Nicht nur für Rieder zeigte die Kurve in den vergangenen Wochen nach oben. Auch die Flames befinden sich nach einem verhaltenen Saisonstart auf dem angepeilten Kurs in Richtung Stanley Cup Playoffs. "Wir haben alle neue Energie getankt. Die ganze Mannschaft spielt gut, das hilft dann auch den einzelnen Reihen weiter", begründete der Niederbayer den Aufschwung.

Einen beträchtlichen Anteil an der positiven Entwicklung hat laut Rieder der neue Coach Geoff Ward, der seit dem Rücktritt von Bill Peters Ende November das Zepter schwingt. "Speziell unsere Reihe bekommt viel Vertrauen vom Trainer. Die Chemie wird mit jedem Spiel besser. Es ist schön, dass man für seine Arbeit und den Aufwand belohnt wird. Wir haben immer gewusst, dass wir ein gutes Team haben. Allerdings konnten wir unser Potenzial oft nicht abrufen", konstatierte er. Eine Prognose, wie weit es für die Flames in dieser Saison gehen könnte, wolle er zu diesem Zeitpunkt lieber nicht wagen. "Es ist besser, nur von Spiel zu Spiel zu denken. Das bringt uns weiter voran, als wenn wir jetzt schon zu sehr in die Zukunft schauen würden."

Fünf Fragen an Tobias Rieder:

Du bist sofort gut reingekommen in Calgary und hast in der Tryout-Phase überzeugt. Man hat den Eindruck, dass die Verbindung Flames und Tobias Rieder einfach passt, oder?

Ja, das stimmt. Gleich als ich hierhergekommen bin, habe ich mich wohlgefühlt. Ich habe versucht, alles andere, was vorher war, auszublenden und mich auf meine Aufgaben auf dem Eis zu konzentrieren. Das hat super funktioniert im Camp. Jetzt muss ich zusehen, dass es von Tag zu Tag noch besser wird. Es wäre toll, wenn es hier für mich weitergehen könnte.

Du bist in blendender Verfassung ins Trainingscamp gekommen und hattest nach Mark Giordano die zweitbesten Fitnesswerte im Team. Hast du im Sommer ein paar Extraschichten eingelegt?

Nein, ich habe in all den Jahren in der NHL bei den Fitnesstests immer gut abgeschnitten. Deswegen stelle ich mein Sommertraining nie großartig um, sondern ändere höchstens mal ein paar Kleinigkeiten.

Du bekommst bei den Flames viel Eiszeit im Penalty Killing. Ist das eine Rolle, die du von Haus aus magst, vor allem weil du bei Kontern in Unterzahl deine Schnelligkeit besonders zur Geltung bringen kannst?

Ja, auf alle Fälle. Ich habe in meiner ganzen Karriere immer Unterzahl gespielt. Das gefällt mir sehr gut. Es ist schön, der Mannschaft in wichtigen Situationen, wie im Penalty Killing, zu helfen. Wenn ich draußen bin, gebe ich mein Bestes, dass wir kein Gegentor bekommen. Ab und an kriegst du dann auch die Chance, dich offensiv in Szene zu setzen.

Du erlebst nach Edmonton jetzt in Calgary den zweiten Winter in Alberta. Hast du einen Überlebenstipp für diese Jahreszeit?

(lacht) Ja, habe ich. Er lautet: Wenn möglich nicht das Haus verlassen. Letztes Jahr in Edmonton war es wirklich richtig kalt. Da hatten wir teilweise minus 30 Grad. Da möchte man nicht allzu viel Zeit draußen verbringen. An solchen Tagen mache ich daher lieber Sachen im Haus, anstatt einen Fuß vor die Tür zu setzen.

Vermisst du es manchmal, dass du an Silvester nicht auf eine Party gehen kannst, weil du stattdessen Eishockey spielen musst oder würdest du so ein Match zum Jahreswechsel für nichts in der Welt sausen lassen wollen?

Das ist einfach so. Ich bin es auch gar nicht mehr anders gewohnt. Von daher macht mir das eigentlich gar nichts aus. Sicher wäre es mal schön, auf eine Feier gehen zu können. Aber wenn die Arbeit ruft, gehen wir zur Arbeit. Es gibt ja an Weihnachten ein paar freie Tage.

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