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NHL Pioniere: Ray Bourque

Niemand wartete länger auf seinen ersten Stanley Cup als die langjährige Nummer 77 der Boston Bruins

von Marc Rösch / NHL.com/de Autor

Am 1. Januar 2017 eröffnete die National Hockey League mit dem Eröffnungsbully zum Scotiabank NHL Centennial Classic die Feierlichkeiten zur Jahrhundertsaison. Seit ihrer Gründung im Jahr 1917 sah die Liga zahlreiche Kultpersönlichkeiten. Während der Saison 2017 wird euch NHL.com/de mit zahlreichen Stories über die vergangenen 100 Jahre versorgen.

In dieser Ausgabe präsentieren wir euch Schlüsselfiguren der Ligageschichte. Von Gründern und Wegbereitern des Sports bis zu Pionieren der Neuzeit. Macht euch mit den Legenden vertraut, die unwiderrufliches für diesen großartigen Sport geleistet haben. Heute: Ray Bourque.

Als Colorado Avalanche Teamkapitän Joe Sakic am 9. Juni 2001 im Pepsi Center den Stanley Cup von NHL Commissioner Gary Bettman überreicht bekam, begab er sich nicht auf die übliche Ehrenrunde. Sakic drehte sich postwendend um und drückte den 20 Kilogramm schweren Pokal seinem Teamkollegen Ray Bourque in die Hände.

Dem zu diesem Zeitpunkt 40 Jahre alten Defensivspieler rannten die Freudentränen nur so die Wange herunter. Seit der am 28. Dezember 1960 in Montreal geborene Kanadier als Knirps die Triumphe seiner Canadiens-Helden wie Ken Dryden, Yvan Cournoyer, Larry Robinson, Serge Savard oder Guy Lafleur verfolgt hatte, sind die Jahre nur so verronnen, doch ein Ziel war fest in seinem Kopf eingebrannt.

Der Traum vom Stanley Cup trieb Bourque seine gesamte Karriere an und nach 23 Spielzeiten in der NHL wurde er endlich wahr. Der Sport schrieb eine Geschichte, so herzzerreißend, wie sie Hollywood nicht drehen könnte.

Fast ein Viertel-Jahrhundert lang war Raymond "Ray" Bourque das Maß der Dinge an den blauen Linien der NHL. Er hatte einen knallharten Schuss, wieselflinke Beine und einen sagenhaften Aufbaupass aus der Defensivzone.

Beim NHL Draft 1979 wurde Bourque von den Boston Bruins in der ersten Runde (Nummer 8) ausgewählt und die vier Verteidiger, die noch vor ihm an der Reihe waren, brachten nicht annähernd so eine beachtliche Karriere zustande, wie er.

Als Bourque im Juni 2001 seine Schlittschuhe an den berühmten Nagel hängte, war er der Verteidiger mit den meisten Toren (410), den meisten Assists (1.169) und den meisten Punkten (1.579) in der Geschichte der Liga. Bourque prägte eine Ära von 1979 bis 2001 und wurde einer der am meisten geschätzten Akteure überhaupt. Mit seiner Rückennummer "77" wurde er zum treusten Spieler der Bruins-Franchise schlechthin.

Jahr für Jahr stellte sich der Linksschütze in den Dienst seiner Mannschaft. Nachdem er in seiner Rookie-Saison 1979/80 65 Punkte erzielte und die Calder Memorial Trophy für den besten Jungprofi einheimste, wurde er zu einem der wichtigsten Spieler im schwarz-gelben Dress der Bruins.

Vier Mal wurde Bourque mit der James Norris Trophy ausgezeichnet, weil er mit seinen Qualitäten als Verteidiger Liga weit Aufsehen erregte. Bourque holte nahezu jedes Jahr das Beste aus sich raus und kratzte mehrmals an der 100-Punkte-Marke. Dennoch gelang ihm mit den Bruins nie der ganz große Coup. Bei den zwei Stanley Cup Final-Teilnahmen, 1988 und 1990 unterlagen sie den Edmonton Oilers, dem damaligen Spitzenteam, deutlich und nach 21 Jahren in Massachusetts fasste Bourque einen bemerkenswerten Entschluss.

Am 6. März 2000 schloss er sich den Avalanche, einem der besten Teams jener Zeit, an, um seinen großen Traum endlich wahrwerden zu lassen. Doch dies sollte ihm in Colorado auf Anhieb nicht gelingen. In einem nervenaufreibenden siebten Spiel des Western Conference Finales, schieden die Avalanche aus dem Meisterschaftsrennen gegen die Dallas Stars aus. In der letzten Spielminute hatte Bourque den Ausgleich auf der Kelle, doch die Scheibe verpasste den Weg ins Ziel und knallte ans Torgestänge der Stars. Statt der rettenden Verlängerung folgte das bittere Saisonaus.

Bourque war so nah an der Meisterschaft dran, wie selten zuvor. Auf diese Weise wollte er seinen Traum nicht platzen lassen. Er gab nicht auf, kehrte stattdessen zur Saison 2000/01 ins Team der Avalanche zurück und eiferte seinem Ziel weiter entgegen. Der Defensivspieler wurde zum Assistenzkapitän ernannt und spulte eine respektable Saison ab, in der er 59 Hauptrundenpunkte (7 Tore, 52 Assists) einheimste.

In den Stanley Cup Playoffs wollte es Bourque nun endlich wissen. Er trieb seinen Körper bis zur Belastungsgrenze und bestritt teilweise mehr als 30 Minuten Eiszeit pro Spiel. In Spiel 3 des Finales gegen die New Jersey Devils erzielte Bourque den spielentscheidenden Treffer und nach einem 3:1 Sieg in Spiel 7 war es endlich so weit. Bourque erfüllte sich seinen Lebenstraum.

Bezeichnend für ihn war eine Szene in der letzten Minute: Als seine Teamkameraden ihn schon umarmen und beglückwünschen wollten, schob er diese forsch zur Seite um auf das Eis zu springen und pflichtbewusst seine letzte Schicht zu vollbringen.

In der 124-jährigen Geschichte des Pokals wartete niemand länger auf seinen ersten Stanley Cup als Bourque. Er absolvierte 1.612 Hauptrundenpartien und 214 Stanley Cup Playoffspiele, bis er endlich am Ziel angekommen war.

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