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Die hohe Kunst des Bodychecks

Für den perfekten Hit braucht es Timing und Spielverständnis

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

NHL.com/de hat sich kürzlich mit einigen Spielern aus der Liga unterhalten, um einen Einblick in breit gefächerte Themen zu bekommen. In dieser Ausgabe schreibt Christian Rupp über die Kunst des Bodychecks.

Wer austeilt, muss auch einstecken können - so heißt es in einem Sprichwort. Ein Spruch, der vor allem im Eishockey Anwendung findet: Einen Bodycheck etwa spürt nicht nur der Empfänger, sondern auch der, der ihn setzt. Dabei ist ein sauberer Hit viel mehr als nur der Zusammenstoß mit einem Gegenspieler, er erfordert Timing, Spielverständnis und Geschick. So verwundert es nicht, dass viele NHL-Profis gar von der "Kunst des Checkens" sprechen.

Manson ist der Meinung, dass "mehr dazugehört".

Nikita Zadorov von den Colorado Avalanche war in der abgelaufenen Saison 2017/18 der fleißigste Checker in der NHL. Der Verteidiger fuhr während der regulären Saison satte 278 Hits und kam damit auf 3,6 Checks pro Partie. Unter den Stürmern rangierte Milan Lucic von den Edmonton Oilers ganz vorne. Seine Quote: 254 Hits und 3,1 Hits/Spiel.

Einen Gegenspieler sauber zu treffen ist angesichts des Tempos und der Technik denkbar schwer. "Es gehört definitiv mehr dazu, als in irgendjemanden hineinzurennen. Du musst sich geradezu hineinkünsteln", weiß Josh Manson. Der Abwehrmann von den Anaheim Ducks landete ligaweit auf Rang 31 der checkfreudigsten NHL-Spieler (180 Hits, 2,3 pro Parte). "Du musst das Spiel lesen können, erahnen, was als nächstes passiert und dich selbst in Position bringen, denn du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, denn sobald du deinen Gegenspieler verpasst, gerätst du in Schwierigkeiten."

Was ist ein Bodycheck im Vergleich zu einem Pokecheck?

Video: MIN@WPG, Sp 1: Byfuglien bringt Eriksson Ek zu Fall

Ist der verteidigende Spieler außer Position, hat der angreifende Akteur meist freie Bahn. Timing ist also alles. "Bei einem Check muss alles passen: Das Timing, die Geschwindigkeit, das Gefühl, alles. Es kommen viele Dinge zusammen", erklärt Andre Burakovsky, Stürmer bei den Washington Capitals. "In unserem Spiel gibt es wahrscheinlich zehn verschiedene Arten, zu checken", so der in Österreich geborene Schwede und spielt damit auch auf das Stilmittel des Pokechecks an. "Egal ob wir einen Spieler treffen, ihm den Puck wegspitzeln oder die Scheibe zurückerobern, wir wollen ihn einfach unter Druck setzen."

Seth Jones von den Nashville Predators arbeitet gar lieber mit einem Poke- statt einem Bodycheck, setzt also bevorzugt den Schläger statt den Körper ein. "Ich war nie ein großer oder harter Checker. Statt eines saftigen Hits schlage ich lieber den Puck weg, schalte mich in die Offensive mit ein und starte schnelle Konter. Ich bearbeite meine Gegenspieler lieber mit einem geschickten Schläger-Einsatz", so der Verteidiger, der dabei einem viermaligen Stanley-Cup-Sieger und siebenmaligen Norris-Trophy-Gewinner nacheifert: "Am liebsten habe ich Nicklas Lidstrom zugesehen, du hast ihn nie einen harten Check fahren sehen. Er war großartig mit seinem Schläger, daran nehme ich mir ein Beispiel."

Es gibt sie, die verschiedene Verteidigungs-Ansätze.

 

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Auch Jaccob Slavin, Verteidiger bei den Carolina Hurricanes, sieht sich nicht als Planierraupe auf dem Eis. "Ich war nie ein physisch spielender Verteidiger, deswegen wird es nicht viele Abende geben, an denen ich mit einem Check auf dem Statistikbogen auftauche." Für Slavin liegt die Kunst des Verteidigens eher woanders: "Für mich geht es mehr darum, den eigenen Körper in Stellung zu bringen, den Gegenspieler vom Puck zu trennen, ohne sich dabei selbst aus dem Spiel zu nehmen. Wenn du dir Spieler ansiehst, die große Hits fahren, dann sind sie danach aus dem Spiel. Für mich ist wichtig, dass ich den Gegner auf den Außen halte und ihm nicht die Mitte des Eises überlasse. In den Ecken hilft es, den Gegner an die Bande zu drücken. Du musst sichergehen, dass du zwischen deinem Mann und dem Tor stehst."

Bodychecks sind untrennbar mit dem Eishockey verbunden. Ob dieser auch einschlägt hängt nicht nur von der Physis, sondern von gleich mehreren Faktoren ab. "Es ist sicher eine Wissenschaft, das Richtige zu tun und zu wissen, wann du einen Check setzt und wann nicht", so Slavin über das Vabanquespiel eines Verteidigers.

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Die hohe Kunst des Checkens?

In den Playoffs 2018 waren mit Tom Wilson (100), Brooks Orpik (88), Alex Ovechkin (81), Devante Smith-Pelly (78) und T.J. Oshie (58) übrigens fünf Capitals-Spieler unter den acht häufigsten Checkern. Washington holte am Ende den Stanley Cup. Zufall oder doch eine unterschätzte Kunst?

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