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Strafzeiten brechen Blues das Genick

St. Louis Blues finden kein Mittel gegen das effiziente Powerplay der Boston Bruins

von Christian Treptow @nhlde / NHL.com/de Autor

Seit dem 5. Mai 1970 haben die Eishockey-Fans in St. Louis darauf gewartet, wieder ein Spiel der Finalserie um den Stanley Cup in der Stadt zu erleben. Nun, ihr Wunsch ging in Spiel 3 der Serie der St. Louis Blues gegen die Boston Bruins in Erfüllung. Allerdings verließen die Fans der Blues enttäuscht das Enterprise Center. 2:7 verloren die Blues gegen die Bruins und liegen in der Finalserie 1:2 zurück.

Dabei war zunächst nichts passiert, was die Anhänger des Teams aus dem US-Bundesstaat Missouri nicht schon aus den vorherigen Playoffrunden kannten. Die Blues lagen nach dem ersten Drittel zurück. Da mögen sich die Fans in den blauen Trikots noch gedacht haben: Na und? Denn die Blues haben sich in dieser Endrunde quasi darauf spezialisiert, Rückschläge zu verarbeiten und Rückstände aufzuholen.

Doch diesmal war die Hypothek zu groß. Nach einem ordentlichen und aggressiven Start der Gastgeber nahm das Unheil seinen Lauf, als Patrice Bergeron Mitte des ersten Abschnitts in Überzahl zum 0:1 traf. Auch das 0:2 durch Charlie Coyle hätten die Blues wohl noch verkraftet. Ein 0:2 haben die Blues zum Beispiel schon in Spiel 5 der ersten Playoffrunde gegen die Winnipeg Jets gedreht. Das Genick gebrochen haben ihnen andere Faktoren.

Zum Beispiel das 0:3 durch Sean Kuraly. Das fiel zehn Sekunden vor der ersten Drittelpause. Psychologisch also äußerst ungünstig. Doch lag vorher nicht eine Abseitsposition vor? Blues-Coach Craig Berube nahm eine Challenge. Das Tor wurde aber gegeben. Die Blues bekamen eine kleine Bankstrafe aufgebrummt für die verlorene Challenge und begannen das Mitteldrittel in Unterzahl.

Video: BOS@STL, Sp3: Bergeron trifft als Erstes im Powerplay

Das Powerplay der Bruins erwies sich an diesem Abend allerdings als tödlich. Die Gäste fackelten jeweils nicht lange, machten bei vier Möglichkeiten aus vier Schüssen vier Tore. David Pastrnak mit seinem achten Treffer in den Playoffs 41 Sekunden nach Wiederbeginn - noch so ein psychologisch schlechter Zeitpunkt - stellte mit dem 0:4 die Weichen endgültig auf Sieg für die Bruins. "Wir wollten das 0:3 nach dem ersten Drittel vergessen machen. Aber das 0:4 hat uns dann gleich den Wind aus den Segeln genommen", befand Blues-Stürmer Ryan O'Reilly.

Es gab trotzdem noch den einen oder anderen Moment, als die Blues-Fans an ein erneutes Comeback ihrer Mannschaft glauben konnten. Doch die Bruins hatten immer die richtige Antwort. Etwa nach dem 1:4 durch Ivan Barbashev Mitte des zweiten Drittels. Das hätte nochmal eine Initialzündung für eine Aufholjagd sein können. Doch Torey Krug machte mit dem 1:5 gut eine Minute später gleich wieder alle Hoffnungen zunichte. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Bruins auch in dieser Situation mit einem Mann mehr auf dem Eis waren. Colton Parayko saß auf dem Sünderbänkchen. "Unser Unterzahlspiel muss einfach besser werden", forderte Berube.

Danach war der Arbeitstag für Blues-Goalie Jordan Binnington vorbei. Zum ersten Mal in 52 Spielen wurde er ausgewechselt. Bei 19 Schüssen kassierte er fünf Gegentreffer. "Das war dann genug", meinte Berube nach dem Spiel. Jake Allen übernahm für den 25 Jahre alten Rookie.

Video: BOS@STL, Sp3: Pastrnak mit Geduld im Powerplay

Seine Teamkollegen sahen in Binnington allerdings keinesfalls den Hauptschuldigen für die Niederlage. "Wir müssen vor ihm einfach einen besseren Job machen", meinte Blues-Verteidiger Alex Pietrangelo. Und O'Reilly ergänzte: "Wir haben ihm nicht genug geholfen." Doch keiner in der Kabine der Blues hegt Zweifel daran, dass der Goalie in Spiel 4 bereit ist. "Er ist mental stark. Er ist der Hauptgrund, warum wir im Finale stehen. Wir wissen, dass er im nächsten Spiel wieder seine gewohnte Leistung abliefern wird", betonte Blues-Stürmer David Perron.

 


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In Spiel 4 wieder die gewohnte Leistung abrufen - das gilt für die gesamte Mannschaft der Blues. "Wir sind enttäuscht und müssen das jetzt vergessen", sagte O'Reilly. Es werde eine lange Serie. Vor allem die Special Teams seien die Herausforderung. Stimmt. Denn auch die Blues hatten ihre Möglichkeiten in Überzahl. Fünf, um genau zu sein. Doch das Unterzahlspiel der Bruins stach in Spiel 3 das der Blues aus. Mehr als das 2:5 durch Perron wollte den Blues mit einem Mann mehr auf dem Eis nicht gelingen. Vier Minuten vor dem Ende nahm Berube den Torwart zugunsten eines sechsten Feldspielers vom Eis. Noel Acciari beseitigte mit dem 2:6 ins leere Tor alle vielleicht noch vorhandenen Restzweifel.

Doch auch ein Rückstand in einer Playoff-Serie ist in dieser Saison nichts Neues für die Blues. In der zweiten Runde gegen die Dallas Stars haben sie ein 2:3 noch gedreht. Weshalb Ryan O'Reilly auch auf das Selbstbewusstsein verwies, das die Blues in den vergangenen Monaten angesammelt haben. "Wir wissen, wie unsere beste Leistung aussieht. Und wir wissen, wie wir jetzt antworten müssen", betonte er.

Video: BOS@STL, Sp3: Sanford bedient Barbashev zum Tor

David Perron verglich das 2:7 mit der Niederlage in Spiel 3 im Western Conference Finale gegen die San Jose Sharks. Damals war dem 5:4 der Sharks durch Erik Karlsson in der Verlängerung ein Handpass vorausgegangen, der allerdings nicht geahndet wurde. "Auch wenn das jetzt eine andere Situation ist - wir müssen das jetzt beiseite legen und im nächsten Spiel eine bessere Leistung abrufen, meinte Perron.

Dann vertrauen die Blues auch wieder auf die Unterstützung der in dieser Saison so leidgeprüften Fans. "Sie haben ein besseres Spiel verdient", betonte O'Reilly. "Aber sie hatten schon die ganze Runde über viel Geduld mit uns. Diese werden sie wieder haben."

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