Skip to main content

Fünf gegen Fünf ist das Spiel der Blues

St. Louis vor allem auswärts bei Gleichzahl auf dem Eis unschlagbar

von Christian Treptow @NHLde / NHL.com/de Autor

"Ich weiß nicht. Ich kann es nicht erklären." Es ist wohl selten, dass Craig Berube, Trainer der St. Louis Blues, eine Situation, die mit Eishockey zu tun hat, nicht erklären kann. Immerhin hat er über 1100 NHL-Partien als Spieler auf dem Buckel und hat auch als Trainer schon so manche Schlacht geschlagen. Doch dass seine Mannschaft in den Stanley Cup Playoffs auswärts immer noch ungeschlagen ist, scheint selbst für den alten Kämpen Berube eine neue Erfahrung zu sein. 

Der 4:3-Sieg bei den Dalls Stars in Spiel 3 der zweiten Runde der Stanley Cup Playoffs in der Western Conference war der vierte Sieg im vierten Spiel auf fremdem Eis in den Playoffs der Saison 2018/19. Erst haben sie drei Siege bei den Winnipeg Jets eingefahren und jetzt knüpfen sie in der Serie gegen Dallas nahtlos an diese Leistung an. Berube geht schließlich doch auf Ursachenforschung: "Wir waren schon das ganze Jahr über ein gutes Auswärtsteam. Unsere Auswärtsbilanz war fantastisch."

Auffällig dabei: Die Blues haben bei diesen vier Erfolgen vor allem dann getroffen, wenn auf jeder Seite fünf Mann auf dem Eis waren. 13-mal haben sie bislang auswärts die rote Lampe hinter dem gegnerischen Tor zum Leuchten gebracht. Bei zwölf dieser Treffer waren beide Teams vollzählig auf dem Eis. Beim 4:3 in Dallas fielen alle vier Tore der Gäste bei Fünf gegen Fünf. Man sieht, dass das riesige Comeback - die Blues waren Anfang Januar noch Letzter in der Tabelle - den Spielern sehr viel Selbstvertrauen gegeben hat. Sie glauben an ihre Stärke und lassen sich nicht so leicht verunsichern. 

Video: STL@DAL, Sp3: Maroon schießt Führungstor der Blues

Auf dieses gute Gefühl können und werden sie aufbauen. Denn das Selbstvertrauen hat nach dem ersten Sieg in Dallas in dieser Serie bestimmt nicht gelitten. Geht es nach der Statistik, kann so wie so fast nichts mehr schief gehen. Hat ein Team nach einem Stand von 1:1 in der Serie Spiel drei gewonnen, hat es danach in 67,4 Prozent aller Fälle auch die Serie gewonnen. Gewinnen die Blues auch Spiel 4 am Mittwoch, wäre das fast schon so etwas wie eine Vorentscheidung in dieser Serie. 

Nur auf die Statistik werden sich die St. Louis Blues natürlich nicht verlassen können und wollen. Wenn sie das Momentum aber so weiter nutzen - und im Moment fallen einem kaum Gründe ein, warum das nicht der Fall sein sollte - und bei Gleichzahl auf dem Eis auftrumpfen, muss ihnen vor Spiel vier am Mittwoch im American Airlines Center nicht bange sein. 

Das gilt umso mehr, da sich die Blues weiter auf zwei Spieler verlassen können, die man am Anfang nicht unbedingt auf dem Zettel hatte. Stürmer Jaden Schwartz zum Beispiel, ihm gelang in Spiel 3 mit dem 0:1 bereits sein sechster Treffer in den Playoffs. Damit ist er gemeinsam mit Mark Stone (Vegas Golden Knights) sowie Tomas Hertl und Logan Couture (beide San Jose Sharks) an der Spitze der Playoff-Torjägerliste. In der regulären Saison hatte Schwartz gerade elf Mal getroffen. Doch jetzt schickt er sich an, die Stars im Blues-Kader wie Vladimir Tarasenko und Ryan O'Reilly in den Schatten zu stellen. 

 

[Ähnliches: Heimvorteil ein Fremdwort für die Blues]

 

Das zweite Beispiel taucht mittlerweile fast schon gewohnheitsmäßig bei den Sieggaranten der Blues auf: Torwart Jordan Binnington, dem man mittlerweile in St. Louis den Spitznamen "Winnington" verpasst hat. Es gibt fast keine Partie, in der der Neuling, der für die Calder Trophy als bester Rookie nominiert ist, keinen Rekord auf- oder einstellt. In Spiel 3 in Dallas feierte Binnington seinen 30. NHL-Sieg. Dafür hat er nur 39 Spiele gebraucht (reguläre Saison und Playoffs). Damit hat der 25-Jährige die Marke des Dänen Frederik Andersen (Toronto Maple Leafs) eingestellt, dem das 2014, damals noch im Trikot der Anaheim Ducks, gelungen war.

Und noch eine Bestmarke hat der Kanadier, den die Blues im Draft 2011 in der dritten Runde an 87. Stelle gezogen hatten, mit dem Sieg in Dallas eingestellt: Er ist der erste Rookie-Torwart seit Cam Ward 2006 im Trikot der Carolina Hurricanes, der die ersten vier Auswärtsspiele in den Playoffs gewonnen hat. Binnington ist mit der erstaunlichen Ruhe, die er für einen Neuling ausstrahlt, ebenfalls ein großer Faktor im Spiel der Blues. Wer darauf wartet, dass er einen Leistungseinbruch bekommt oder mit dem Druck in den Playoffs nicht zurechtkommt, muss sich offenbar in Geduld üben.

Video: STL@DAL, Sp3: Binnington stoppt Radulov bei Breakaway

Geduld und viel Nervenstärke - noch so eine Qualität - bewiesen die Blues auch in den letzten sieben Minuten von Spiel 3. Es waren sieben wilde Minuten mit vier Toren. Zunächst gelang Andrew Cogliano das 2:2 für die Stars, dann Alex Pietrangelo das 2:3, Tyler Seguin wieder der Ausgleich für die Stars, ehe Pat Maroon 98 Sekunden vor Schluss das entscheidende vierte Tor für die Gäste gelang. Dreimal hatten die Stars die Führung der Blues egalisiert. Auf diesen vierten Treffer fanden sie allerdings keine Antwort mehr.

Maroon lief danach mit einem breiten Grinsen durch die Umkleidekabine. Der Stürmer ist in St. Louis geboren und aufgewachsen. Mit diesem Treffer ist für ihn ein Kindheitstraum wahr geworden, bewunderte er doch damals Brett Hull und Adam Oates. "Ich kann es noch gar nicht glauben. Es ist eine Ehre, für das Team meiner Heimatstadt zu spielen", sagte er. Am 9. Juli 2018 hatten ihn die Blues als Unrestricted Free Agent unter Vertrag genommen. Er brauchte danach etwas Anlaufzeit, musste 16 Partien lang auf sein erstes Tor im Blues-Trikot warten. 

"Er spielt schon in den gesamten Playoffs sehr gut", lobte Pietrangelo den Teamkollegen. "Das sind die Spieler, auf die es in dieser Zeit des Jahres ankommt", meinte der Verteidiger, der mit seinem ersten Tor in den Playoffs die Blues zwischenzeitlich mit 3:2 in Führung gebracht hatte. Pietrangelo ist mit acht Punkten (ein Tor, sieben Assists) weiter bester Scorer der Blues. 

 

[Hier findest du alles über die STL-DAL Serie]

 

Die durften in der Schlussminute übrigens auch noch unter Beweis stellen, dass sie nicht nur bei Fünf gegen Fünf gut spielen. Colton Parayko kassierte 44 Sekunden vor dem Ende noch eine Zwei-Minuten-Strafe. Der Verteidiger der Blues beförderte den Puck über die Plexiglasscheibe und wanderte wegen Spielverzögerung auf die Strafbank. Doch auch das überstanden die Gäste aus Missouri schadlos. Es gibt derzeit wahrlich nicht viele Gründe, gegen die St. Louis Blues zu wetten.

Das vierte Spiel dieser Serie der zweiten Runde der Western Conference findet am Mittwoch um 9:30 p.m. ET (NBCSN, TVAS, SN; Do. 3:30 Uhr MESZ) im American Airlines Center in Dallas statt.

Mehr anzeigen

Die NHL verwendet Cookies, Web Beacons und andere ähnliche Technologien. Durch die Nutzung der NHL Websites oder anderer Online-Dienste stimmen Sie den in unseren Datenschutzrichtlinien und Nutzungsbedingungen beschriebenen Praktiken einschließlich unserer Cookie-Richtlinien zu.