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Niederlagenserie wird Quenneville zum Verhängnis

Blackhawks trennen sich nach zehn Jahren von ihrem Coach, mit dem sie dreimal den Stanley Cup holten

von Axel Jeroma @NHLde / NHL.com/de Autor

Lange hatten die Verantwortlichen der Chicago Blackhawks mit sich gerungen, doch nach zwei mageren Jahren und zuletzt fünf Niederlagen hintereinander in der laufenden Saison sahen sie sich zum Handeln gezwungen. Am Dienstag gaben sie die Entlassung von Coach Joel Quenneville bekannt. Damit endete beim Original-Six-Franchise eine Ära. Quenneville stand bei den Blackhawks seit 16. Oktober 2008 an der Bande. Während seiner Amtszeit führte er das Team zu drei Stanley-Cup-Siegen. Nach dem dritten Triumph 2015 konnte die Mannschaft allerdings nicht mehr an die glorreichen Tage anknüpfen. 2016 und 2017 schieden die Blackhawks jeweils in der ersten Playoff-Runde aus. Im vergangenen Frühjahr verpassten sie erstmals unter Quennevilles Regie die Endrunde.

 

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"Es waren mehrere Aspekte, die zu dem Entschluss geführt haben", begründete Vizepräsident und General Manager Stan Bowman die Trennung vom langjährigen Erfolgscoach. "Einer davon war der besorgniserregende Auftritt des Teams mit den drei verlorenen Begegnungen beim jüngsten Auswärtstrip. Abgesehen davon lief unser Spiel schon seit geraumer Zeit nicht mehr so, wie es eigentlich sein sollte. Von daher kamen wir im Vorstand nach reiflicher Überlegung überein, einen Wechsel vorzunehmen - bei allem Respekt für das, was Joel für die Blackhawks geleistet hat", fügte er hinzu.

Blackhawks-Präsident John McDonough sprach von einer schwierigen Entscheidung für die Klubleitung. "Wir sind Joel sehr dankbar für das, was er in den zehn Jahren für die Blackhawks geleistet hat. Die drei Erfolge im Stanley sprechen für sich. Er hat mit seiner Arbeit bei uns neue Maßstäbe gesetzt", würdigte er.

Ähnlich wie der Klubchef äußerte sich Vorstandsvorsitzender Rocky Wirtz: "Joel hat die Mannschaft in einer schwierigen Phase übernommen und aus ihr ein Erfolgsteam geformt. Dies wird auf ewig mit seinem Namen verbunden bleiben." Dennoch sah Wirtz wie seine Führungskollegen keine Alternative zu einer Veränderung auf dem Trainerposten. "Es ist unsere primäre Aufgabe, für das Wohl der Mannschaft und der Organisation zu sorgen. Nach Auswertung der vergangenen zwei Jahre sind wir zu der Überzeugung gekommen, dass frische Impulse nötig sind, um die gesteckten Ziele zu erreichen."

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Für die Spieler kam die Nachricht von Quennevilles Aus völlig überraschend. "Es war ein harter Tag für uns. In einem solchen Moment schießen einem viele Gedanken durch den Kopf", sagte Stürmer Patrick Kane, der bei allen drei Titelgewinnen unter der Leitung des Kanadiers dabei war. "Ich habe eine Menge von ihm gelernt. Er wird mir fehlen", betonte Chicagos Topscorer der zurückliegenden drei Spielzeiten.

Verteidiger Brent Seabrook zeigte sich ebenfalls geschockt. "Joel Quenneville bedeutet alles für mich. Sein Umgang mit den Spielern war einzigartig. Er hat uns bei allem professionellen Anspruch immer den nötigen Freiraum gelassen. Ich werde die Zeit mit ihm stets in guter Erinnerung behalten", sagte der Routinier, der wie Kane dreimal mit den Blackhawks den Stanley Cup holte.

Der 60 Jahre alte Quenneville gehört zu den erfolgreichsten Coaches in der NHL-Geschichte. Mit 890 Siegen liegt er hinter Scotty Bowman (1244) auf dem zweiten Platz in der ewigen Bestenliste. Gleiches gilt für die Gesamtspielzahl. Quenneville verzeichnete 1636 Einsätze, Spitzenreiter Bowman kam auf 2141 Partien. In 22 Spielzeiten betreute der Erfolgstrainer außer Chicago noch die Colorado Avalanche und die St. Louis Blues.

 

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Der Auftakt zur Saison 2018/19 verlief für Quenneville und die Blackhawks verheißungsvoll. Nach sechs Siegen aus den ersten zehn Begegnungen lagen sie auf Playoff-Kurs. Doch mit der 3:7-Niederlage bei den Blues gerieten er und seine Schützlinge jedoch in eine Negativspirale. Nach fünf Pleiten in Serie fielen sie aus den Plätzen, die zur Teilnahme an der Endrunde berechtigen, heraus. Dieser Umstand wurde Quenneville letztlich trotz aller Meriten in der Vergangenheit zum Verhängnis.

Als Nachfolger präsentierten die Blackhawks am Dienstag den erst 33 Jahre alten Jeremy Colliton. Er kommt von den Rockford IceHogs, Chicagos AHL-Filiale. Abzuwarten bleibt, wie sich die Maßnahme für Dominik Kahun auswirkt. Der Deutsche war von Quenneville zu Saisonbeginn in die Top-Reihe beordert worden, wo er zusammen mit Jonathan Toews und Alex DeBrincat auf Torejagd ging. Jüngst lief er mit Chris Kunitz und David Kampf in der dritten Angriffsformation auf. Mit Collitons Einstand dürften die Karten auf einigen Positionen neu gemischt werden.

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