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Mehr Stabilität hinten und mehr Power vorne

31 in 31: Blackhawks arbeiten an ihren Schwachstellen, Kaderplatz für Kahun machbar

von Axel Jeroma @NHLde / NHL.com/de Autor

Die NHL-Saison 2018/19 wirft langsam aber sicher ihre Schatten voraus. Vor dem Start der Trainingslager analysiert NHL.com/de ab 5. August die 31 Teams der Liga in 31 Tagen. Zu jeder Mannschaft gibt es in der Serie "31 in 31" zwei Berichte mit interessanten Fakten, Einschätzungen und Einblicken.

In dieser Folge: Chicago Blackhawks

189-209-213-256: Die Bilanz der Gegentore in den vergangenen vier Jahren, von der Titelsaison 2015 angefangen bis zum Ende der Hauptrunde 2018, macht deutlich, wo bei den Blackhawks zuletzt hauptsächlich der Schuh drückte. Die Defensive erwies sich als ein äußerst fragiles Gebilde. Die Verantwortlichen des Klubs reagierten auf die Malaise und verpflichteten Torhüter Cam Ward und Verteidiger Brandon Manning für den hinteren Bereich.

Ward soll mit seiner ausgewiesenen Fachkenntnis für mehr Stabilität sorgen, falls Stammkeeper Corey Crawford nicht zur Verfügung steht oder eine Verschnaufpause benötigt. Manning wurde unter Vertrag genommen, weil er für sein schnörkelloses Abwehrverhalten bekannt ist. Genau diese Eigenschaft vermisste man in der abgelaufenen Spielzeit häufiger in Chicagos Verteidiger-Verbund.

 

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Generell klafft in der Defensive hinter dem Duo Duncan Keith und Brent Seabrook eine Lücke. Wenn beide wie 2017/18 nicht regelmäßig ihre Topleistung abrufen, wird diese Schwäche besonders offensichtlich. Um dieses Problem zu beheben, reicht die Hinzunahme eines fertigen Spielers vom Schlage Mannings alleine nicht aus. Ziel muss es vielmehr sein, den Verteidigern Connor Murphy, Erik Gustafsson und Jan Rutta sukzessive mehr Verantwortung zu übertragen und sie dadurch auf ein höheres Level zu führen.

Große Hoffnungen setzen die Blackhawks zudem in ihren Verteidiger-Nachwuchs. Mit Henri Jokiharju, Darren Raddysh, Lucas Carlsson und Adam Boqvist erhielten vier Talente einen Vertrag. Vor allem dem 19 Jahre alten Finnen Jokiharju wird der Sprung ins NHL-Aufgebot nach dem Trainingscamp im September zugetraut. Der 17-jährige Boqvist, den Chicago beim NHL Draft 2018 an Gesamtposition 8 auswählte, soll dagegen erst bei den London Knights in der OHL an das Niveau in Nordamerika herangeführt werden.

Video: PHI@CHI: Toews tunnelt Elliott im Alleingang

Einen Zahn zulegen und wieder stärkere Durchschlagskraft entfalten muss die Abteilung Attacke um Kapitän und Center Jonathan Toews. Er und die zwei anderen Routiniers Patrick Kane und Brandon Saad ließen diese Tugenden vorige Saison vermissen. Rückkehrer Saad erfüllte die hochgesteckten Erwartungen nur zu Beginn. Nach einem verheißungsvollen Start mit sechs Treffern in den ersten sechs Partien hatte er sein Pulver jedoch weitgehend verschossen. Am Ende waren für ihn nach 82 Begegnungen lediglich 35 Punkte (18 Tore, 17 Vorlagen) verzeichnet. In den drei Spielzeiten zuvor hatte er jeweils die 50-Punkte-Marke geknackt.

Positiv auf sich aufmerksam machten dagegen die Jungspunde Alex DeBrincat (20 Jahre) und Nick Schmaltz (22). Die beiden Flügelstürmer schlossen die Saison jeweils mit 52 Punkten ab und landeten in der vereinsinternen Scorer-Wertung hinter Spitzenreiter Kane (76 Zähler) auf den Plätzen zwei und drei.

Unterstützung erhält die Offensive von Chris Kunitz. Der vierfache Stanley-Cup-Gewinner soll auf dem linken Flügel für mehr Gefahr vor dem gegnerischen Tor sorgen.

Video: NYR@CHI: Anisimov trifft dreimal im dritten Drittel

Nicht optimal aufgestellt sind die Blackhawks auf der Mittelstürmer-Position. Abgesehen von Toews und Schmaltz tummelt sich dort mit Artem Anisimov, David Kampf und dem von den Arizona Coyotes zurückgeholten Marcus Kruger bestenfalls Durchschnitt. Das wiederum erhöht die Chancen für den deutschen Nationalspieler Dominik Kahun, mit ordentlichen Darbietungen beim Trainingscamp einen festen Platz im Kader als Center zu ergattern.

Nach dem Titelgewinn mit Red Bull München verständigte sich der 23-Jährige mit den Blackhawks auf einen Zweijahresvertrag. Vor seiner Zeit in München spielte er von 2012 und 2014 bereits zwei Jahre in Nordamerika für die Sudbury Wolves in der OHL. Insgesamt bestritt er dort in der regulären Saison 101 Begegnungen und erzielte 71 Scorerpunkte (22 Vorlagen, 49 Tore). In den Playoffs kamen zwei Tore und sechs Vorlagen in 14 Partien hinzu. Nach seiner erfolgreichen Zeit mit drei deutschen Meisterschaften am Stück in München und Silber bei Olympia 2018 mit dem Nationalteam möchte er nun in der NHL durchstarten. Die Fähigkeiten dafür bringt er ohne Zweifel mit. Wichtig für seine Entwicklung wird sein, dass ihm Coach Joel Quenneville über längere Zeit das Vertrauen schenkt.

 

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Das Team der Blackhawks für die Saison 2018/19 ist nominell stark genug, um bei der Vergabe der Playoff-Tickets in der Central Division ein Wörtchen mitzureden. Zumal alle das desaströse Bild der vorangegangenen Serie vergessen machen wollen und deswegen eine Schippe drauflegen werden. Allerdings ist die Konkurrenz in der Central Division enorm. Nur wenn in Chicago alle Rädchen ineinandergreifen und die Top-Spieler von Verletzungen verschont bleiben, ist der Sprung unter die ersten Drei in der Gruppe realistisch.

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