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Bei Spielbeginn kommt es auf die Konzentration an

Jeder Akteur geht mit der Anspannung vor einem Spiel etwas anders um, es gibt jedoch auch Gemeinsamkeiten

von Robin Patzwaldt @RobinPatzwaldt / NHL.com/de Autor

NHL.com/de hat sich kürzlich mit einigen Spielern aus der Liga unterhalten, um einen Einblick in breit gefächerte Themen zu bekommen. In dieser Ausgabe schreibt Robin Patzwaldt über die Anspannung der Akteure unmittelbar vor dem Spielbeginn:

Jeder Sportler bereitet sich stets bestmöglich auf einen anstehenden Wettkampf vor, da bilden auch die Profis in der NHL selbstverständlich keine Ausnahme. Gerade die letzten Minuten vor einem Eishockeyspiel durchlaufen einem festen Ritual, das mit dem ausgiebigen Aufwärmen der Spieler und dem Verlesen der Startaufstellungen beginnt und im gemeinsamen Aufstellen an der Mittellinie gipfelt während die Nationalhymne(n) abgespielt wird. Anschließend beginnt mit dem Eröffnungsbully das Spiel, in dem es von der ersten Sekunde an intensiv zur Sache gehen soll.

Jeder Mensch geht mit dem sich aufbauenden Druck und der dazugehörigen Anspannung anders um, jeder ist unterschiedlich sensibel oder empfindsam für diese Momente der Konzentration und der Aufregung.

 

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Von der Eishockeylegende Glenn Hall (NHL-Akteur von 1955 bis 1971), seines Zeichens immerhin einer der größten Torhüter in der Geschichte der Chicago Blackhawks, ist überliefert, dass er in den finalen Minuten vor einem Kräftemessen regelrecht krank wurde, sich regelmäßig vor Aufregung in der Kabine übergeben musste.

Diese hohe Anspannung mit der extremen Auswirkung entwickelte sich bei ihm bereits in Jugendzeiten und setzte sich auch in der NHL fort. An einer großen Karriere, die ihn bis in die Hockey Hall of Fame nach Toronto führen sollte, hinderte ihn das nicht.

NHL.com/de hatte kürzlich Gelegenheit sich mit einigen aktuellen NHL-Profis über ihre persönlichen Empfindungen und Gedanken in den letzten Augenblicken vor einem Eishockeyspiel zu unterhalten.

Wie stark belastet fühlen sie sich in dieser Phase, an was denken sie und worauf konzentrieren sie sich?

Von den befragten Kufencracks scheint niemand so zu leiden wie einst Hall, um das einmal vorweg zu nehmen. Die Antworten zeigen einerseits auf, wie unterschiedlich die Einstellungen sind, dass es jedoch auch Gemeinsamkeiten bei den Spielern gibt.

Tomas Hertl von den San Jose Sharks empfindet nach eigenem Bekunden keine sonderlich große Nervosität vor den Begegnungen. Der 24-Jährige, der in der Vorsaison in 79 Spielen der Hauptrunde auf 46 Zähler (22 Tore, 24 Assists) kam, gab sich in dieser Frage recht gelassen.

"Sonderlich aufgeregt war ich bisher nie in diesen Momenten. Selbst beim Stanley Cup Finale oder bei meinem ersten Spiel in der Liga war ich das nicht. Ich fühle mich in diesen Situationen immer glücklich, weil ich in der besten Liga der Welt mitwirken darf. Da macht mir jedes weitere Spiel, das ich bestreiten darf, sehr viel Freude. Jede Sekunde Einsatz zählt. Beim Eishockey bin ich daher nie nervös."

Vor dem ersten Bully fokussiert sich Hertl auf das anstehende Spielgeschehen.

 

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"Ich konzentriere mich immer extrem auf die ersten Sekunden in einer Partie. Wichtig ist für mich, dass ich vom ersten Augenblick an voll da bin und auch ein paar körperliche Akzente setzen kann. Ist man nämlich in diesen ersten Sekunden nachlässig, dann fällt es einem häufig schwer im Nachhinein noch ein paar Prozentpunkte draufzulegen. Deshalb ist es so wichtig, sich unmittelbar zu Beginn voll auf seine Aufgaben zu konzentrieren und alles was nicht mit dem Spiel zu tun hat, vollständig aus dem Kopf zu verdrängen. Man darf sich um nichts anderes sorgen. Konzentriere dich auf deinen ersten Shift. Spring aufs Eis und erziele ein Tor. Es gibt eben nichts Besseres als ein Spiel erfolgreich zu beginnen."

Etwas anders gelagert ist der Fall bei Andre Burakovsky von den Washington Capitals. Der 1995 in Klagenfurt geborene Flügelstürmer räumte freimütig ein, zumindest in den Stanley Cup Playoffs, durchaus eine gewisse Aufregung zu verspüren.

"In der Hauptrunde bin ich kurz vor den Partien, wenn die Hymne erklingt, nie besonders aufgeregt. In den Playoffs ist das jedoch schon etwas anders. Da wartet die gesamte Mannschaft einfach ungeduldig darauf, dass endlich das Spiel losgeht."

Der 25-jährige deutsche Nationalspieler Tobias Rieder, der im Sommer von den Los Angeles Kings zu den Edmonton Oilers wechselte, ist trotz seiner Erfahrung von derzeit 312 NHL-Hauptrundenbegegnungen noch immer beeindruckt von der Atmosphäre vor einem Spiel.

"Ich muss eingestehen, dass ich vor Spielbeginn sowohl nervös als auch voller Vorfreude bin. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass man in dieser Phase zu einem gewissen Grad angespannt ist. Ich versuche dann immer meine Gedanken zu ordnen, mich darauf zu besinnen, was von mir erwartet wird, worauf es gleich besonders ankommt. Vermutlich macht das jeder Spieler in einer ganz ähnlichen Art und Weise."

Letztendlich ist das wohl auch der gemeinsame Nenner, der die modernen Profis miteinander verbindet. Unabhängig davon, ob sie nun etwas mehr oder weniger aufgeregt oder angespannt sind, die Konzentration und der Fokus auf das Spiel müssen da sein, wenn der sportliche Erfolg sichergestellt werden soll. Das war selbst in den Zeiten eines Glenn Hall garantiert nicht anders.

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