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Barry Trotz beweist Haltung nach dem Aus

von Axel Jeroma / NHL.com

Aus. Vorbei. Die meisten Spieler und Verantwortlichen der Washington Capitals glichen einem Häuflein Elend. Goalie Braden Holtby irrlichterte übers Eis, Stürmer Alex Ovechkin starrte vor sich hin und schnallte sich genervt den Helm ab. Wenige Augenblicke zuvor hatten sie gegen die Pittsburgh Penguins Spiel 6 in der Verlängerung und damit die Playoff-Serie mit 2-4 verloren. Wieder einmal war nach der zweiten Runde Schluss beim Versuch, den Stanley Cup endlich in die US-Hauptstadt zu holen.

Coach Barry Trotz bewahrte als einer der wenigen Haltung in den bitteren Minuten unmittelbar nach dem Ausscheiden. Äußerlich gefasst stieg er von der Trainerbank herunter, ging zu seinem Amtskollegen Mike Sullivan von den Penguins und gratulierte ihm zum Einzug ins Conference-Finale. Ein fester Händedruck, ein freundschaftlicher Klaps auf die Schulter – dann verlies Trotz den Ort des Geschehens in Richtung Katakomben.

Drinnen in den Räumen des Consol Energy Centers konnte er seine Enttäuschung nicht länger verbergen. "Die Niederlage tut weh, klar. Es ist frustrierend, dass wir erneut so früh draußen sind", sagte er. Ein wenig haderte er mit dem Schicksal, dass der Erste und Zweite der Eastern Conference bereits in der zweiten Runde der Playoffs aufeinander trafen. Den Erfolg des Gegners erkannte Trotz jedoch neidlos an. "Die Penguins verfügen über ein tolles Teams und haben eine gute Serie gegen uns gespielt. Sie haben in der Defensive gut gearbeitet und uns in allen drei Zonen hart attackiert", analysierte der 53-jährige Coach.

"Nach unserer Heimniederlage in Spiel 2 war klar, dass wir mindestens einmal in Pittsburgh gewinnen mussten, um uns die Chance aufs Weiterkommen zu erhalten. Das haben wir leider nicht geschafft", konstatierte Trotz. Ganz kurz schien es in der Partie am Dienstag (Ortszeit), als könnte dieses Unterfangen doch noch gelingen. Nachdem die Capitals schon scheinbar aussichtslos mit 0-3 zurücklagen, glichen sie im letzten Drittel zum 3-3 aus. Voller Euphorie ballte Trotz nach dem Ausgleichstreffer von John Carlson die Faust.

Doch der Overtime folgte die Ernüchterung. Penguins-Stürmer Nick Bonino machte mit dem 4-3 alle Hoffnungen der Capitals auf einen entscheidenden Showdown in Washington zunichte. Damit wartet der Klub in der mittlerweile elf Jahre andauernden Ära Ovechkin weiter darauf, die zweite Playoff-Runde zu überstehen.

Dabei sprach diesmal viel für ein Ende der schwarzen Serie. Die Capitals dominierten die Hauptrunde und waren mit 120 Punkten (56-18-8) mit Abstand das beste NHL-Team. Ovechkin wurde mit 50 Treffern Torschützenkönig. Holtby stand bei den Goalies mit einer Fangquote von 92,2 Prozent an der Spitze. Beim Powerplay lagen die Capitals auf Rang fünf der Liga, beim Penalty-Killing auf Platz zwei.

Coach Trotz hatte mit seiner Arbeit großen Anteil an der beeindruckenden Bilanz. Er vermittelte dem Team nicht nur eine gewinnbringende Spielidee, sondern sorgte auch für eine familiäre Atmosphäre innerhalb der Mannschaft und im gesamten Umfeld. So hatte Trotz kein Problem damit, wenn ab und an Kinder der Spieler an Trainingstagen in der Kabine auftauchten.

Den Schwung aus der Hauptrunde nahmen die Capitals zunächst in die Playoffs mit. Schnell führten sie in der Erstrunden-Serie gegen die Philadelphia Flyers mit 3-0. Doch auf einmal geriet die Capitals-Maschinerie ins Stocken. Es folgten zwei Niederlagen, bevor mit einem 1-0 nach Hängen und Würgen endlich der von Trotz vehement eingeforderte vierte Sieg gelang. Auch in der anschließenden Serie gegen die Penguins fanden die Capitals nicht mehr zur starken Form der Hauptrunde und der ersten Playoff-Partien zurück.

Als Washingtons General Manager Brian MacLellan sich vor zwei Jahren entschieden hatte, Trotz zu den Capitals zu holen, war dies mit einer klaren Order an ihn verbunden: Er möge tunlichst für mehr Fortune der Mannschaft in den Playoffs sorgen. "Wir haben zwar Fortschritte gemacht, aber offensichtlich nicht genügend", lautete das Fazit von Trotz nach dem erneuten Fehlschlag. Entmutigen lasse er sich davon aber nicht. Er werde weiter alles dafür tun, um Washingtons Zweitrunden-Trauma zu beenden und die damit verbundenen Vorhaltungen von den Fans verstummen zu lassen. "Obwohl wir eine gute Gruppe beisammen haben, werden wir zur neuen Saison die eine oder andere Veränderung vornehmen", kündigte der Trainer an.

Trotz weiß, dass ihm nicht unendlich Zeit für seinen Auftrag zur Verfügung steht. Denn sollten die Capitals nächstes Jahr wieder früh scheitern, dürfte es auch für den Coach heißen: Aus. Vorbei.

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