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Baertschi und Markstrom mit rosiger Zukunft

von Bernd Roesch / NHL.com

Viel Positives gab es in der vergangenen Spielzeit von den Vancouver Canucks nicht zu berichten. Jene Franchise, die 2011 nur knapp in sieben Spielen den Boston Bruins im Stanley Cup Finale unterlegen gewesen war, schloss die Pacific Division als Siebtplatzierte ab und verpasste die Playoffs um zwölf Zähler - in der NHL sind das Welten. Die Canucks hatten 2015/16 mit 186 geschossenen Toren den zweitschlechtesten Sturm der Liga und mit einer Powerplayquote von 15,8 Prozent teilten sie sich am Saisonende den drittletzten Platz.

Auch wenn mannschaftlich bei den Westkanadiern nur wenig lief, es gab auch Erfolgsgeschichten einzelner Spieler der Westkanadier, die zeigen wie schnell es in der besten Eishockeyliga der Welt auf und ab gehen kann, und man zu keinem Zeitpunkt, auch wenn es einmal gar nicht gut läuft, den Kopf hängen lassen sollte.

Eine Story ist die eines jungen Schweizers. Sven Baertschi, der beim NHL Draft 2011 in der ersten Runde an Nummer 11 von den Calgary Flames gezogen wurde, konnte sich fast vier Jahre lang bei den Flames nicht durchsetzen. Er kam in 66 Spielen auf gerade einmal acht Tore und 20 Vorlagen. In Calgary fehlte es dem jungen Außenstürmer an Unterstützung, die bekam er auch nicht vom damaligen Cheftrainer Bob Hartley. So wurde Baertschi am 2. März 2015 gegen einen Zweitrundenpick beim Draft 2015 an die Canucks abgegeben. Nach drei Einsätzen zum Ende der Saison 2014/15, in denen ihm zwei Tore gelangen, gehörte Baertschi in der folgenden Spielzeit schon zum Stammkader der Canucks und bedankte sich bei ihnen mit einer Karrierebestleistung von 15 Treffern und 13 Assists in 69 Spielen. Hauptsächlich wurde Baertschi in der zweiten Sturmformation eingesetzt. Mit seinen erst 23 Jahren kann sich der talentierte Linksaußen aus der Alpenrepublik weiterentwickeln und hat, da bin ich mir sicher, sein Leistungspotenzial bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Auch das Management der Canucks dürfte dieser Meinung gewesen sein, als sie sich mit ihm am 5. Juli auf einen neuen 2-Jahresvertrag mit einem jährlichen Salär von $1,85 Millionen geeinigt haben. Jetzt kann Baertschi den nächsten Schritt zu einer eindrucksvollen NHL-Karriere machen.

Ein solcher Schritt ist auch Vancouvers Ersatzschlussmann Jacob Markstrom zuzutrauen, dessen Karriere vor gut zwei Jahren bei den Canucks längst beendet schien. Im Rahmen des Luongo-Trades kam Markstrom, der von den Panthers 2008 in der zweiten Runde an 31. Stelle gedraftet wurde, am 4. März 2014 in die kanadische Metropole am Pazifik. Vier Spiele durfte er für die Canucks noch bestreiten und machte dabei einen sehr unglücklichen Eindruck. Bei seinen ersten zwei Einsätzen von Beginn an, am 10. April gegen Colorado und zwei Tage danach gegen Edmonton, kassierte der Schwede insgesamt acht Gegentore. Bei einem Gegentrefferschnitt von 3,00 betrug seine Fangquote 86,8 Prozent.

Als im darauffolgenden Sommer Ryan Miller von den Canucks verpflichtet wurde und sich die sportliche Leitung dazu entschied mit Eddie Lack als zweiten Torwart in die anstehende Saison zu starten, waren die Aussichten von Markstrom auf einen Stammplatz sehr düster. Die meiste Zeit verbrachte er bei den Utica Comets, dem AHL-Farmteam der Canucks. Im März 2015 durfte er noch einmal bei den Canucks ran, kassierte aber in 7:45 Minuten gegen die San Jose Sharks drei Gegentore bei vier Schüssen, die auf seinen Kasten kamen. Am Saisonende war Markstrom 77 Minuten und 38 Sekunden im Tor gestanden und wies einen Gegentrefferschnitt von 3,08 und eine Rettungsquote von 87,9 Prozent aus. Eine Empfehlung für höhere Aufgaben sieht anders aus.

Vancouvers Torwarttrainer Dan Cloutier nahm Markstrom unter seine Fittiche und richtete ihn immer wieder auf. General Manager Jim Benning meinte dazu. "Ich habe gesehen, welche Wirkung Dan auf ihn hat. Er kann Jacob beruhigen, wenn ihm ein Fehler unterläuft. Jacob wird verrückt, wenn er einen einfachen Puck nicht halten kann, doch Dan spricht mit ihm und bringt ihn wieder herunter, so dass er beim nächsten Spiel wieder voll bereit ist."

Der 26-Jährige hatte auf internationalem Eis mit Team Schweden schon so oft bewiesen, was für ein starker Schlussmann er ist. Er gewann bei den Juniorenweltmeisterschaften Silber und Bronze und bei den IIHF-Weltmeisterschaften Bronze (2010) und Gold (2013).

Markstrom stand in der Saison 2015/16 33 Mal auf dem Eis, davon 30 Mal von Beginn an, und war mit einer Fangquote von 91,5 Prozent und einem Gegentrefferschnitt von 2,73 eine positive Überraschung bei den Canucks, in einem Jahr, das für sie viele Enttäuschungen parat hatte.

Am vergangenen Freitag einigte sich Markstrom mit den Westkanadiern auf eine Vertragsverlängerung seines aktuell noch ein Jahr laufenden Vertrages um weitere drei Jahre bis zur Saison 2019/20 für $11 Millionen. Es sieht durchaus so aus, als würden die Canucks auf Markstrom als Nummer 1 setzen - spätestens wenn Millers Kontrakt zum Ende der kommenden Spielzeit ausläuft.

Markstrom hat sich in der AHL durchgebissen, konnte Rückschlägen wegstecken und ist gut genug, um sich diese ihm bietende Chance zu nutzen.

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