Skip to main content

Bärtschis Berg- und Talfahrt nur andersrum

Nach einem durchwachsenen Saisonstart zeigt Sven Bärtschi wie wichtig er für die Canucks ist

von Bernd Rösch / NHL.com/de Chefautor

Sven Baertschi war nach Nino Niederreiter 2010 der zweite Schweizer, der bei einem NHL Draft in der ersten Runde gezogen wurde. 2011 entschieden sich die Calgary Flames mit dem 13. Zug für den damals 18-jährigen Flügelstürmer der Portland Winterhawks. Bei den Flames wurde der gebürtige Berner nicht so richtig glücklich. Bob Hartley, der damalige Headcoach der Flames bemangelte das Defensivverhalten von Bärtschi und forderte 'mehr Einsatz'. Mittlerweile dürfte der ein oder andere sportlich Verantwortliche der Flames einen neidischen Blick zum westlichen Nachbarn aus Vancouver werfen, denn Bärtschi hat sich nicht nur zu einem Stammspieler bei den Canucks entwickelt, sondern ist in dieser Saison zu einem ganz wichtigen Spieler in deren Reihen herangewachsen.

Kein Stürmer der Canucks weist einen besseren +/-Wert als Bärtschis +2 aus. War da nicht einmal die Rede von mangelndem Defensivverhalten? Der 24-Jährige arbeitet aber nicht nur nach hinten, sondern liefert auch im Spiel nach vorne ab: Er hat mittlerweile einen Treffer mehr auf dem Konto als Vancouvers 'Urgestein' Henrik Sedin und liegt zusammen mit dessen Zwillingsbruder Daniel auf dem zweiten Platz in der teaminternen Torschützenliste.

In der Nacht von Montag auf Dienstag konnte Bärtschi dem 3-2 Heimsieg der Canucks über die Avalanche zwei Tore beisteuern und wurde zum Mann des Spiels gekürt. Dass Vancouver zuletzt vier Siege hintereinander feiern durfte, ist auch der Verdienst des Eidgenossen, der in seiner zweiten vollen NHL-Saison dabei ist, seine Bestmarke aus dem Vorjahr mit 28 Scorerpunkten in 69 Partien zu knacken.

Dabei hatte die laufende Spielzeit gar nicht gut für ihn begonnen: In seinen ersten 18 Saisonspielen war er gerade einmal auf ein Tor und zwei Assists gekommen. Mitte Dezember gönnte ihm Vancouvers Cheftrainer Willie Desjardins eine Pause. Bärtschi musste bei der 0-3 Niederlage in Washington auf der Tribüne Platz nehmen. Eine Maßnahme, die sich auszahlte: Zwei Tage darauf, beim 6-8 Schützenfest in Carolina, war der Linksaußen wieder mit von der Partie und mit zwei Treffern und einem Assist an der Hälfte der Tore seines Teams beteiligt gewesen.

In den letzten zehn Partien blieb Bärtschi nur dreimal punktlos - mit sechs Treffern und fünf Vorlagen gelang es dem Linksaußen in diesem Zeitraum sein Punktekonto auf 22 Zähler zu schrauben. Vancouvers sportlicher Führung dürfte nicht entgangen sein, wie vielseitig Bärtschi einsetzbar ist. Beim 3-2 Shootout-Erfolg in Edmonton am Silvesterabend glänzte Bärtschi (1 Tor, 1 Assist) an der Seite von Bo Horvat und Alex Burrows, zwei Tage darauf brachte er neben Daniel und Henrik Sedin Schwung in die erste Powerplayformation der Canucks - gekrönt mit dem Matchwinner gut 3 1/2 Minuten vor Spielende.

Video: COL@VAN: Baertschi versenkt Sutters Pass spät im 2.

Der Schweizer erzählte nach der Partie gegen Colorado was der Knackpunkt seines momentanen Erfolgs war: "Meine Spieleinstellung hat sich geändert [nachdem er in Washington aus dem Kader gestrichen wurde]. Keiner möchte außen sitzen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mein Team im Stich gelassen habe. Ich kam zurück und spiele seitdem ziemlich gut. Also ich meine schon, dass es für mich gut war." Bärtschi stellt seinen persönlichen Erfolg hinter dem der Mannschaft: "Ich konnte punkten, doch die Art wie wir während der Siegesserie spielen, erfreut mich noch mehr."

Erfreut über Bärtschis Leistung dürften besonders Daniel Sedin und Schlussmann Ryan Miller gewesen sein. Sedin kam beim 3-2 Siegtor zu seinem 600. NHL-Assist und Miller knackte als dritter in den USA geborener Torwart die Marke von 350 NHL-Siegen. Man muss kein Prophet sein, wenn man behauptet, dass es nicht die letzten Teamkollegen sein werden, denen der Außenstürmer zu Bestmarken verhelfen wird.

Henrik Sedin fehlen noch vier Vorlagen zu seinem 1000. NHL-Assist. Es wäre doch gar nicht schlecht, wenn ihm ein junger Stürmer aus der Schweiz, der in jüngster Zeit wieder genau weiß wo das gegnerische Tor steht, behilflich sein könnte, diese Marke zu erreichen.

Ihren nächsten Auftritt haben die Canucks am kommenden Mittwoch vor heimischer Kulisse (10 p.m. ET) gegen die Arizona Coyotes.

Mehr anzeigen