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Nur Sieger beim Leafs-Avs-Trade?

Kadri gegen Barrie und Kerfoot klingt zunächst nach einem guten Geschäft für Toronto, doch nur auf den ersten Blick

von Stefan Herget @NHLde / Chefautor NHL.com/de

Als am Montag die Meldung vom Trade zwischen den Toronto Maple Leafs und den Colorado Avalanche über den Ticker lief, rieben sich so manche Fans verwundert die Augen. Toronto bekam Verteidiger Tyson Barrie und Stürmer Alexander Kerfoot sowie einen Draft der sechsten Runde beim NHL Draft 2020 im Austausch für Stürmer Nazem Kadri, Verteidiger Calle Rosen und einem Draft der dritten Runde beim NHL Draft 2020. Auf den ersten Blick ein ungleiches Geschäft zugunsten der Kanadier.

Zwei Tage später und beim genaueren analysieren des Tauschgeschäftes, fallen jedoch einige Aspekte auf, wonach die Avalanche doch nicht so ein schlechtes Geschäft getätigt haben, wenn insbesondere ins Gewicht fällt, dass Kadri noch drei Jahre zu relativ guten Konditionen von jährlich 4,5 Millionen US-Dollar unter Vertrag steht und Barrie nur noch ein Jahr Laufzeit hat, ehe er unrestricted Free Agent wird. Kerfoots günstiger Einstiegsvertrag mit rund einer Million ist gar ausgelaufen und dieser wird nach seinen 42 Punkten (15 Tore, 27 Assists) in der abgelaufenen Saison auf mindestens eine Verdoppelung seiner Bezüge hoffen.

 

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Das große Plus für Toronto besteht insbesondere darin, dass sie Capspace für die bestimmt nicht günstige Weiterverpflichtung von Topscorer Mitch Marner (94 Punkte, 26/68) freigemacht haben, nachdem Colorado 50 Prozent der Bezüge Barries in Höhe von 2,75 Millionen weiterhin übernimmt und die Maple Leafs zusätzlich einen Top-Verteidiger, der in der abgelaufenen Saison mit 59 Punkten (14 Tore, 45 Assists) aufwartete, erhielten.   

"Es stand nicht zwangsläufig fest, dass wir alles neu strukturieren wollen, aber wir identifizierten die Verteidigung als Position, die es nötig hat und sind es angegangen", sagte Kyle Dubas, der General Manager der Maple Leafs.

Toronto startete im Oktober mit Morgan Rielly, Jake Gardiner, Nikita Zaitsev und Ron Hainsey als die Top-4-Verteidiger. Zwölf Monate später werden es wahrscheinlich Rielly, Barrie, Jake Muzzin und Cody Ceci sein. Das dreimalige Aus hintereinander in der ersten Runde der Stanley Cup Playoffs hat also Spuren hinterlassen.  

Rielly und Barrie bringen ein offensives Flair in die Mannschaft, besonders im Powerplay. Rielly ist in den beiden letzten Spielzeiten Dritter unter den NHL-Verteidigern mit 124 Punkten (26 Tore, 98 Assists), hinter Brent Burns von den San Jose Sharks (150 Punkte) und John Carlson von den Washington Capitals (138). Barrie ist Sechster mit 116 Punkten (28 Tore, 88 Assists).

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Doch der Zugang von Barrie wurde mit dem Abgang von Kadri, der 44 Punkte (16 Tore, 28 Assists) in 73 Spielen der vergangenen Saison holte, teuer bezahlt. Er war der derzeit am längsten aktive Leafs-Spieler, nachdem Toronto ihn an siebter Stelle im NHL Draft 2009 auswählte.

"Es ist unglücklich, dass wir Kadri in dieses Geschäft packen mussten, aber wir mussten etwas lukratives bieten, um das zu bekommen, was wir wollten", betonte Dubas.  

Kadri wird wahrscheinlich in Colorados zweiter Sturmreihe als Center neben Tyson Jost und der weiteren Neuverpflichtung Andre Burakovsky zum Einsatz kommen. Die Avalanche bekommen damit hinter dem Top-Trio Nathan MacKinnon, Gabriel Landeskog und Mikko Rantanen die gewünschte Tiefe im Sturm, die sie noch weiter bringen soll, als in die zweite Runde, die in den diesjährigen Playoffs Endstation war.

"Wir entschieden uns so viel Tiefe wie möglich zu unserer Gruppe hinzuzufügen", erklärte Colorados geschäftsführender Vizepräsident und General Manager Joe Sakic. "Uns gefällt die Tiefe, die wir jetzt im Kader haben."

Neben Kadri und Burakovsky wurden von Sakic im Angriff noch die Free Agents Pierre-Edouard Bellemare und Joonas Donskoi unter Vertrag genommen. Der letztjährige Erstrunden-Draft (Nr. 16), Center Martin Kaut, könnte zusätzlich auf dem Sprung sein. 
"Colorado ist für mich ein attraktiver Platz", schwärmte Kadri. "Ich denke, dass die Avalanche in eine großartige Richtung steuert und wir können für eine lange Zeit Titelanwärter sein."

 

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Natürlich schmerzt die Avalanche der Verlust von Barrie und seine Offensivqualitäten, doch mit den Routiniers Erik Johnson und Ian Cole, Mark Barberio und Kevin Connauton, in Verbindung mit den Jungstars Samuel Girard und Cale Makar, sowie ihrem Erstrunden-Draft (Nr. 4) von diesem Jahr Bowen Byram, sehen sie sich in der Verteidigung auch so gut aufgestellt. Eventuell kann sogar der im Trade mitgekommene Rosen überraschen.

Nicht zu vergessen hinter der Defensive steht noch ein starker Philipp Grubauer im Tor, der sein Ziel zukünftig eine Nummer 1 in der NHL zu sein, endlich erreicht haben dürfte, nachdem sich der langjährige Starter der Avalanche Semyon Varlamov den New York Islanders anschloss.

Es scheint also, dass beide Partien mit dem Trade ein gutes Geschäft gemacht haben, wobei bei langfristiger Betrachtung sogar Pluspunkte auf der Seite von Colorado liegen, weil Kadri unter Vertrag steht und Barrie schon nach einem Jahr wieder weg sein könnte. Die Luft im Gehaltsgefüge von Toronto ist schließlich durch die beiden langfristigen Abschlüsse mit den Stürmern John Tavares (jährlich 11 Millionen) und Auston Matthews (jährlich 11, 634 Millionen) sowie die anstehende von Marner äußerst dünn. Keine leichte Aufgabe für Dubas in Toronto, das Schiff trotzdem auf Kurs zu bringen, wie auch dieser Trade zeigt.

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