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Analyse: Anaheims Achillesfersen

Die Gründe für das Scheitern der Ducks und ein Blick in die Zukunft

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Mit einem so frühen Aus in den Stanley Cup Playoffs 2018 haben die Anaheim Ducks nicht gerechnet. Durch den bitteren Sweep gegen den kalifornischen Rivalen San Jose Sharks (Serien-Endstand: 0:4) verabschiedet sich die Truppe aus Orange County frühzeitig und unfreiwillig früh in die Sommerpause. Dort wartet viel Arbeit.

Die Hoffnung hielt nur 76 Sekunden: Anaheims Rickard Rakell hatte vor wenigen Augenblicken auf 1:1 ausgeglichen (48.), aber quasi mit der nächsten Offensivaktion holte sich San Jose durch einen von Tomas Hertl abgefälschten Schuss die Führung zurück (50.) und brachte diese dank eines glänzend aufgelegten Goalies Martin Jones (30 Saves, 96,8 Prozent Fangquote) über die Zeit. Die vierte Niederlage in der Serie und das damit verbundene Playoff-Aus der Ducks war damit besiegelt.

"Wir haben mit Härte dagegengehalten. Wäre der Puck hier und da ein bisschen günstiger für uns gesprungen, hätte es ein anderes Spiel werden können. Ihr Torwart hat absolut überragend gespielt. Wir haben es einfach nicht geschafft, ihn zu überwinden", haderte Anaheims Kapitän Ryan Getzlaf nach der Schlusssirene.

 

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Anaheims Achillesfersen

Mit zehn Siegen aus den letzten zwölf Partien der regulären Saison (10-1-1) schienen sich die Ducks eigentlich perfekt für die Endrunde eingegroovt zu haben. Was dann folgte, war ein bitterböses Erwachen. Mit 16:4 Toren schoss San Jose Anaheim regelrecht vom Eis.

Die Gründe für die zweitschlechteste Offensive und Defensive im Wettbewerb sind vielfältig. Zwar schossen die Ducks öfter aufs Tor (132:129 Schüsse), zeigten sich dabei aber sträflich ineffizient (3,0 Prozent Schusseffizienz; Sharks: 12,4 Prozent). In Unterzahl (nur 70 Prozent Erfolgsquote) bezahlten sie für viele Undiszipliniertheiten (insgesamt 56 Strafminuten, 14 Minuten pro Spiel).

 

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"Sie haben uns überlaufen und von den vielen Strafen, die wir in den ersten paar Spielen gezogen haben, profitiert", so die Einschätzung von Flügelstürmer Corey Perry. In der Tat konnte Anaheim das hohe Tempo der Sharks kaum mitgehen und zeigte sich fehleranfällig auf San Joses aggressives Forechecking. "Aus welchen Grund auch immer haben wir es nicht geschafft, über 60 Minuten das Level zu erreichen, das in den Playoffs erwartet wird", konstatierte Ducks-Coach Randy Carlye.

Hinter den Erwartungen

Gemeint sein dürfte dabei auch das Level des einen oder anderen Spielers, dann viele Akteure blieben weit hinter den Erwartungen zurück. So schwächelte etwa die Top-Reihe um den torlosen Getzlaf (zwei Assists, Plus-Minus -4), Perry (kein Scorerpunkt, -5) und Rakell (ein Tor, -4) und brachte es kumuliert auf magere drei (!) Scorerpunkte. Klangvolle Stürmer wie Ondrej Kase, Adam Henrique und Nick Ritchie verbuchten keinen einzigen Scorerpunkt und schnitten als dritte Angriffsreihe der Ducks jeweils mit einer Plus-Minus-Bilanz von -2 ab.

Die Defensive litt dagegen unter den schwerwiegenden Ausfällen von Schlüssel-Verteidiger Cam Fowler (Schulter, ohne Einsatz) und Kevin Bieksa (ein Spiel). Unerfahrene Abwehrspieler wie Marcus Pettersson (21) und Andy Welinski (24) konnten das Vakuum nicht adäquat füllen. Entsprechend oft wirkte Anaheims Hintermannschaft überfordert. Auch Torwart John Gibson (3,59 Gegentore/Spiel, 88,9 Prozent Fangquote), der angeschlagen in die Endrunde ging, konnte die Schießbude nicht schließen.

Video: ANA@SJS, Sp4: Hertl fälscht den Puck perfekt ab

Blick in die Ducks-Zukunft

Erstmals seit 19 Jahren wurden die Ducks also wieder in einer Playoff-Serie gesweept (0:4 gegen die Detroit Red Wings in der ersten Runde 1999). Um ihre Wunden zu lecken bleibt den Enten aber nicht viel Zeit, denn es gilt aus den Fehlern zu lernen und das Team entsprechend auf die neue Saison vorzubereiten.

Die Verträge von gleich zwölf Spielern laufen aus. Darunter die Unrestricted Free Agents (UFAs) Stürmer Antoine Vermette (35), Chris Kelly (37),. J.T. Brown (27), Jason Chimera (38), Derek Grant (27), Verteidiger Kevin Bieksa (36) und Francois Beauchemin (37) sowie Torwart Reto Berra (31). Diese Tatsache könnte Anaheim nutzen, um den Kader zu verjüngen und mehr Schnelligkeit ins Team zu holen.

Zudem werden auch die Restriced Free Agents (RFAs) Stürmer Ritchie (22) und Kase (22) sowie Verteidiger Brandon Montour (24) und Welinski (24) vertragslos. Für entsprechende Verlängerungen wird die Franchise aus Orange County den womöglich freiwerdenden Cap Space (Gehaltsspielraum) gut gebrauchen können.

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