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Als die Devils ihren ersten Cup gewannen

von Bernd Roesch / NHL.com

Sind 20 Jahre nicht ein überschaubarer Zeitraum? Je nachdem, wie alt man ist, wird man diese Frage bejahen oder verneinen. In Sachen NHL-Liveübertragung im deutschen Fernsehen war es auf jeden Fall noch eine ganz andere Welt. Mir blieb dabei besonders das Stanley Cup Finale 1995 zwischen den New Jersey Devils und den Detroit Red Wings in Erinnerung, das, damals ein Novum, live über den Pay-TV Sender Premiere übertragen wurde. Das Programm hatte nur aus einem analogen Kanal bestanden, den man mit einem Dekoder und dem dazugehörigen Schlüssel dekodieren musste. Für Einige dürfte es das erste Mal gewesen sein, dass sie mitten in der Nacht aufgestanden sind, um sich eine Finalserie der NHL live anzusehen.

Das erste Mal ist eben immer etwas Besonderes und das war es nicht nur für die TV-Zuschauer in Deutschland, sondern auch für die Devils, die als Underdog in das Finale gegen die übermächtig scheinenden Red Wings eingezogen waren. Detroit hatte die Saison 1994/95 als punktbestes Team mit dem Gewinn der Presidents' Trophy abgeschlossen. Die Devils zogen dagegen als fünftplatzierte der Eastern Conference in die Playoffs ein.

Vor allem auf eigenem Eis schienen die Mannen aus 'Hockeytown' unschlagbar zu sein. In den ersten drei Playoffrunden hatten sie hintereinander die Dallas Stars, die San Jose Sharks sowie ihren Erzrivalen, die Chicago Blackhawks, mit 12-2 Siegen und 54-28 Toren regelrecht deklassiert. 8-0 Heimsiege lautete dabei ihre Bilanz in der Joe Louis Arena und in den Finals genossen sie auch noch Heimrecht. New Jersey setzte sich durchaus souverän gegen Boston (4-1), Pittsburgh (4-1) und Philadelphia (4-2) durch.

Dennoch galten die Mannen um Paul Coffey, Steve Yzerman, Ex- Devil Viacheslav Fetisov und Sergei Fedorov, um nur einige zu nennen, als unbezwingbar für den Newcomer aus den Meadowlands.

Im Fernsehstudio von Premiere war die Landshuter Trainerlegende Bernie Johnston als Experte zu Gast und er war der Meinung, wie sicherlich die meisten NHL-Interessierten auch, dass es wohl keinen Zweifel darüber geben könnte: Die Red Wings werden zu ihrem ersten Stanley Cup Triumph nach 1966 kommen.

New Jerseys erfahrenste Männer waren neben dem 35-jährigen Center Neil Broten, der erst während der laufenden Saison von den Stars zu den Devils gestoßen war, die beiden Verteidiger Ken Daneyko und Scott Stevens mit 32 bzw. 30 Jahren. Vielen Spielern in ihrem Kader stand noch eine großartige NHL-Karriere bevor, die mit diesen Finalspielen ihren Anfang nahm. Auch das stark auf die Defensivarbeit mit schnellen Kontern ausgerichtete Spielsystem von Devils Headcoach Jacques Lemaire sollte in den folgenden Jahren einige Nachahmer finden, doch kein anderes Team konnte es so gut umsetzen wie die 95er Devils.

Alle vier Partien dieser Finalserie schrieben ihre eigenen Geschichten und brachten mindestens einen Helden hervor.

Beim ersten Aufeinandertreffen zwischen den Kontrahenten waren die Gäste aus East Rutherford ganz darauf bedacht das gegnerische Angriffsspiel zu zerstören. Die Red Wings hatten zwar mehr Puckbesitz, kamen aber nur selten zum Abschluss und so stand es nach dem ersten Drittel torlos Remis. Es folgten zwei Powerplaytreffer auf jeder Seite im Mittelabschnitt. Für das 2-1 Siegtor der Devils zeigte sich zu Beginn des letzten Durchgangs Claude Lemieux zuständig, der in diesem Jahr seinen Ruf als Mr. Playoffs mit insgesamt 13 Toren und drei Assists, nachdem er in der regulären Saison in 45 Partien nur sechsmal getroffen hatte, begründete. Die Devils hatten es geschafft, dass ihre favorisierten Gastgeber nur 17 Mal auf ihr Gehäuse schießen konnten.

Auch in Spiel 2 fiel lange Zeit kein Treffer, dann gingen die Red Wings im Mitteldrittel und zu Beginn des Schlussabschnitts zweimal in Führung. Doch auch hiervon zeigten sich ihre Gäste unbeeindruckt, glichen postwendend aus. Zur Mitte des Durchgangs nahm sich der erst 21-jährige Blueliner Scott Niedermayer ein Herz führte die Scheibe übers Eis und zog ab. Der Abpraller von der Bande landete erneut bei ihm und es stand 2-2. Zum Matchwinner avancierte aber ein Spieler, den niemand auf der Rechnung hatte - Jim Dowd. Der aus New Jersey stammende Center stand goldrichtig beim Schuss von Shawn Chambers und versenkte den Puck zum 3-2. Es sollte das wichtigste Tor in seiner bis 2008 währenden Karriere gewesen sein. Endstand 4-2.

Trotz des 0-2 Rückstandes nach Spielen schöpften die Red Wings noch einmal Hoffnung. Die Devils waren in den Playoffs dieses Jahres nicht als besonders heimstark aufgefallen. Vier von sieben Playoffpartien hatten sie zuvor in der Brendan Byrne Arena verloren. Doch solche Statistiken waren eben von gestern. Am 22. und 24. Juni des Jahres 1995 machten die Devils mit zwei 5-2 Erfolgen den ersten Stanley Cup Triumph ihrer Franchisegeschichte perfekt. In der dritten Partie bezwangen mit Neal Broten, Randy McKay, Bruce Driver, Claude Lemieux sowie Bobby Holik Gästeschlussmann Mike Vernon und den später für ihn eingewechselten Ersatzmann Chris Osgood. Ihren Sweep perfekt machten sie zwei Tage später und das obwohl sie in dieser Begegnung zwischenzeitlich mit 1-2 in Rückstand gelegen waren. Ihr punktbester Akteur auf dem Eis war Bill Guerin mit drei Assists gewesen.

Der ganz große Held dieser Finalserie, die eine neue Ära nicht nur im deutschen Fernsehen einleitete, die Devils sollten noch zwei weitere Mal den Cup gewinnen, war neben Conn Smythe Trophy Sieger Lemieux ein 22-Jähriger junger Torwart, namens Martin Brodeur.

In den folgenden Jahren bis heute konnten sechs weitere Mannschaften sich ihres ersten Stanley Cup Sieges erfreuen, Colorado 1996, Dallas 1999, Tampa Bay 2004, Carolina 2006, Anaheim 2007 und zuletzt Los Angeles 2012. Die Freude bei den frisch gekürten Champions war ähnlich groß wie bei den Devils 1995. Auch diese Finalserien waren für den einen oder anderen jungen Eishockeyfan die ersten, die er live verfolgen konnte und er wird mir zustimmen: Das erste Finale ist immer etwas ganz Besonderes.

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