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Die Auswirkungen des Europa-Ausflugs

Vier Mannschaften kürten sich schon zum Stanley-Cup-Champion

von Christian Rupp @IamCR1 / NHL.com/de Autor

Jeden Samstag ermöglicht Euch nhl.com/de mit dem wöchentlichen Advanced Analytics Feature einen Blick hinter die Zahlen. Von Schüssen über Tore bis hin zu Eiszeit und darüber hinaus möchten wir Euch die statistischen Trends und Themen näherbringen, um Euer NHL-Wissen zu erweitern. In dieser Ausgabe analysieren wir die Auswirkung von Spielen in Europa auf die NHL-Teams.

Im Rahmen der Global Series spielen aktuell die Colorado Avalanche und die Ottawa Senators zwei reguläre Saisonspiele in der schwedischen Hauptstadt Stockholm. Es ist nicht das erste Mal, dass die NHL vereinzelt Hauptrunden-Partien in Europa austragen lässt: Seit 2007 wurden 22 Spiele jenseits des Atlantiks bestritten. Dort entfachen die Klubs zwar jede Menge Begeisterung und Eishockey-Euphorie, müssen allerdings auch mit den Reisestrapazen und der Zeitumstellung kämpfen. Wie wirkten sich die bisherigen Europa-Ausflüge auf die NHL-Teams aus?

2007: Champion Anaheim zu Gast in London

In der Saison 2007/08 richtete die NHL erstmals reguläre Saisonspiele auf europäischen Grund aus und schickte den frisch gebackenen Stanley-Cup-Champion Anaheim Ducks in die englische Hauptstadt London. Dort trugen die Ducks zwei Spiele gegen ihren Lokalrivalen Los Angeles Kings aus (4:1, 1:4). Zurück in Kalifornien, verlor L.A. seine nächsten vier Spiele, Anaheim, das weiterhin auswärts ran musste, verlor die restlichen drei Duelle auf seinem Roadtrip. Am Ende der Saison wurden die Kings Letzter in der Pacific Division, die Ducks wurden Zweiter, schieden dann aber in der ersten Play-off-Runde aus (2:4 gegen die Dallas Stars).

 

2008: Erst Stockholm, dann Stanley Cup für Pittsburgh 

Ein Jahr später verdoppelte sich die Anzahl der Spiele in Europa und der Mannschaften, die daran teilnahmen: Die New York Rangers trafen in der tschechischen Hauptstadt Prag zweimal auf die Tampa Bay Lightning (2:1, 2:1). Die Ottawa Senators und Pittsburgh Penguins duellierten sich in Stockholm (3:4 n.V., 3:1). Die Rangers profitierten scheinbar von dem gelungenen Start in Europa, gewannen auch ihre nächsten drei Partien und scheiterten später in der ersten Play-off-Runde (3:4 gegen die Washington Capitals), während die Bolts dreimal verloren und als Letzter der Southeast Division die Endrunde verpassten. Dieses Schicksal traf auch Ottawa, das fünf der sechs post-europäischen Duelle verlor. Pittsburgh gewann dagegen vier der nächsten sechs Partien und holte am Ende den Stanley Cup (4:3 gegen die Detroit Red Wings).

2009: Chicago startet den Weg zum Stanley Cup in Helsinki

In der Saison 2009/10 machten sich die Chicago Blackhawks und Florida Panthers (3:4 n.P., 4:0) auf den Weg in die finnische Hauptstadt Helsinki. Die Detroit Red Wings und St. Louis Blues (3:4, 3:5) statteten erneut Stockholm einen Besuch ab. Auch hier verkrafteten die Teilnehmer den Trip unterschiedlich: Chicago gewann vier der nächsten fünf Spiele, Florida verlor sieben der nächsten acht. Detroit fuhr, zurück in der Heimat, zwei Siege ein, St. Louis kassierte drei Niederlagen. In der Endabrechnung verpassten Panthers und Blues die Play-offs. Die Red Wings stießen bis ins Conference-Halbfinale vor (1:4 gegen die San Jose Sharks), die Blackhawks holten den Stanley Cup in die "Windy City" (4:2 gegen die Philadelphia Flyers).

2010: Sechs Teams, drei Standorte - am Ende jubelt Boston

2010/11 setzte die NHL noch einen drauf und schickte gleich sechs Teams nach Europa: Die Carolina Hurricanes und die Minnesota Wild duellierten sich in Helsinki (4:3, 2:1 n.P.). Die Columbus Blue Jackets und San Jose Sharks trafen sich in Stockholm (2:3, 3:2 n.V.). Boston Bruins und Phoenix Coyotes begegneten sich in Prag (2:5, 3:0). Minnesota (drei Siege aus vier Spielen), Columbus (fünf aus sieben) und Boston (drei aus drei) steckten den Trip gut weg. Carolina, San Jose (je zwei Niederlagen aus zwei Spielen) und Phoenix (neun aus zwölf) hatten danach Schwierigkeiten. Schlussendlich verpassten die Hurricanes, Blue Jackets und Wild die Endrunde. Dort schieden die Coyotes in Runde 1 aus (0:4 gegen Detroit), die Sharks im Conference-Finale (1:4 gegen die Vancouver Canucks) und die Bruins holten den Stanley Cup (4:3 gegen Vancouver). 

2011: NHL macht Station in Berlin - L.A. baut die Serie aus

Im Jahr 2011 wurde Berlin in den Spielplan aufgenommen. In der deutschen Hauptstadt stieg die Begegnung zwischen den Buffalo Sabres und Los Angeles (4:2). Außerdem spielten Anaheim gegen Buffalo in Helsinki (1:4) sowie L.A. (3:2 n.V.) und Anaheim (2:1 n.P.) jeweils gegen die Rangers in Stockholm. Kings (vier Siege aus fünf Spielen), Ducks (drei aus drei) und Sabres (drei aus vier) verkrafteten den Europa-Ausflug gut, die Broadway Blueshirts machten eher gemischt weiter (vier Niederlagen aus sieben Spielen). Am Ende der Spielzeit 2011/12 schafften Anaheim und Buffalo nicht den Cut für die Play-offs. Die Rangers holten zwar die Presidents' Trophy, scheiterten dann aber im Conference Finale an den New Jersey Devils (2:4). L.A. kürte sich gegen die Devils zum Champion (4:2). Unglaublich: Die Kings waren damit die vierte (!) Mannschaft in Folge, die ihre Saison in Europa startete und dann das ultimative Ziel erreichte.

2017: Stockholm zum Fünften: Meister-Garantie für Ottawa oder Colorado?

Nach sechs Jahren Pause kehrte die NHL 2017, also zehn Jahre nach der Premiere, nach Europa zurück. Sind die Global Series also ein gutes Omen für Colorado und Ottawa? Glaubt man der Statistik der letzten Jahre, kürt sich eines der beiden Teams im Frühjahr 2018 zum Stanley-Cup-Sieger. Das Hinspiel ging mit 4:3 n.V. an die Senators, das Rückspiel steigt am heutigen Samstag (19 Uhr) erneut in Stockholm. Womöglich steht dann der künftige NHL-Champion auf schwedischem Eis.

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