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Deadline begann mit einem Paukenschlag

Donnerstag, 03.06.2014 / 3:28 PM / NHL.com/de - NHL Wechselfrist 2014

Von Stefan Herget - Eishockey.com

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Deadline begann mit einem Paukenschlag
Deadline begann mit einem Paukenschlag

Ein interessanter Mittwoch ging gestern in der NHL zu Ende. Trading Deadline, also Ende der Wechselfrist war angesagt und es hieß wieder für einige Spieler kurzfristig Koffer packen und in den Flieger zu steigen. 25 Mannschaften wurden aktiv und vollzogen 20 Wechsel, die 26 NHL-Spieler betrafen, sowie 12 Nachwuchsleute und 23 Draft Picks. Es wohl einer der unterhaltsamsten Trading Deadline Tage der NHL-Geschichte.

Es begann am Morgen zur Ortszeit mit einem Paukenschlag. Martin St. Louis, amtierender Art-Ross-Trophy Gewinner von den Tampa Bay Lightning und mit 61 Punkten in 62 Spieler bester Scorer des Teams wurde zu den New York Rangers abgegeben. Ein Tausch von zwei Kapitänen, denn im Gegenzug flog Ryan Callahan gen Süden, obwohl dieser meinte, kurz vor einer Vertragsverlängerung um weitere sechs Jahre mit den Rangers zu stehen.

So äußerte er sich im Interview mit dem kanadischen Sportsender TSN geschockt: „Ich bin wirklich davon ausgegangen, dass wir etwas ausarbeiten würden, was für beide Seiten passen würde.“ Callahan wurde offensichtlich Opfer, des Wechseldrangs von St. Louis, der sich entsprechend gegenüber seinem General Manager Steve Yzerman äußerte und dieser wiederum offenbar widerwillig nach Abnehmer suchte und in den Rangers auch fand, die ihm ein ansprechendes Gegenangebot machten.

Schwer wurde anscheinend die Suche nach passenden Interessenten für Thomas Vanek. Islanders General Manager Garth Snow spannte zumindest alle lange auf die Folter und es dauerte bis gute 15 Minuten nach dem Ende um 21 Uhr, als durchsickerte, dass schließlich die Montreal Canadiens das Rennen gemacht hatten. Das alles zu einem relativ günstigen Preis eines Drafts der zweiten Runde und einem Nachwuchsmannes. Beim Erwerb des Österreichers hatten die Islanders noch einen Draft der ersten Runde, einen der zweiten Runde und Matt Moulson an Buffalo abgegeben. Am Ende kein gutes Geschäft für Snow.

Ironie des Geschehens, dass Moulson fast zeitgleich mit Vanek von den Sabres an die Minnesota Wild ging. Überhaupt war die Mannschaft des deutschen Verteidigers Christian Ehrhoff, der selbst Bestandteil von Gerüchten war, aber angesichts vom Ausbluten des Kaders eher bleiben muss denn darf, sehr aktiv. Als er in Buffalo langfristig unterschrieb ging er davon aus, eine Chance zu haben um den Stanley Cup zu spielen. Die Realität sieht nun wohl für Jahre anders aus.

Denn mit dem Abgang von Torhüter Ryan Miller zu den St. Louis Blues am Dienstag wurde eine weitere Stütze entfernt und der für ihn gekommene Jaroslav Halak, der durchaus Format gehabt hätte, in dessen Fußstapfen zu treten, wurde ohne Einsatz am Mittwoch gleich zu den Washington Capitals weiter transferiert. Das erhöht wiederum die Konkurrenzsituation trotz des Abgangs von Michal Neuvirth bei den Torleuten in der Hauptstadt, wo sich der deutsche Philipp Grubauer nach seinem starken NHL-Intermezzo im Dezember und Januar wieder in der AHL beweisen muss und Braden Holtby als Nummer 1 etabliert hat.

Ein anderer Deutscher muss ebenfalls zu neuen Ufern aufbrechen. Marcel Goc wäre laut eigenen Aussagen gerne in Florida geblieben, doch sein auslaufender Vertrag war dem Management Grund genug ihn abzugeben. Dass ausgerechnet das Topteam Pittsburgh Penguins ein Augenmerk auf ihn gelegt hatte und das laut Aussage von General Manager Ray Shero bereits seit längerem, zeugt von dem Ansehen, dass sich der solide spielende und vielseitig einsetzbare Goc mittlerweile in Nordamerika erworben hat. Über sein neues Ziel freut sich der Stürmer auf jeden Fall, denn definitiv hat er nun die Chance den Stanley Cup zu gewinnen, was in Florida auf Jahre hinaus eher vage gewesen wäre. „Ein Bestandteil eines Topteams der Liga zu sein ist begeisternd und ich freue mich darauf, wieder Playoff-Eishockey zu spielen“, sagte Goc in einer ersten Stellungnahme.

Ein getradeter Österreicher und einer aus Deutschland, da dürfen auch die Schweizer nicht fehlen und deren waren es gleich zwei. Raphael Diaz hat nun schon Routine beim Umziehen. Am 3. Februar wurde er von Montreal nach Vancouver geschickt und traf dort auf seinen Landsmann Yannick Weber, der er schon aus gemeinsamen Zeiten bei den Canadiens bestens kannte. Es wurde ein kurzes Gastspiel, denn gestern hieß es wieder ab gen Westen. Die New York Rangers hatten sich seine Dienste gesichert.

Nicht ganz so weit, aber auch ein paar Stunden Flug vor sich hatte Torhüter Reto Berra. Der 27-jährige Rookie lernte gleich in seinem ersten NHL-Jahr die harten Erfahrungen des Geschäftes kennen und muss sich den Colorado Avalanche anschließen. Diese sahen aufgrund der anhaltenden Rückenprobleme von Backup Jean-Sebastien Giguere Handlungsbedarf und holten den Schweizer, der sich bei den Calgary Flames durchaus achtbar geschlagen hatte. Zukünftig steht er unter den strengen Augen seines Chefcoaches und ehemaligen Stargoalies Patrick Roy. Dieser sollte sich mit Schweizer Torhütern auskennen, schließlich war David Aebischer zu seiner aktiven Zeit mehrere Spielzeiten der Backup von ihm. Berra zeigte sich in einer ersten Stellungnahme überrascht, aber ebenso sehr erfreut über seine neue Aufgabe.

Erfreuen wollen sich die Los Angeles Kings an Marian Gaborik, den sie von den Columbus Blue Jackets holten. Die Offensive und insbesondere die Torproduktion stockt gewaltig und deswegen soll der dreifache 40-Tore-Schütze und siebenfache 30-Tore-Schütze für Abhilfe sorgen. Bedingt durch Knie- und Schlüsselbeinverletzungen stehen für ihn in dieser Saison bisher nur sechs Treffer in 22 Spielen zu Buche. Mal sehen, ob Gaborik kurzfristig, vielleicht an der Seite von Anze Kopitar helfen kann, damit die Playoffs erreicht werden können.

Was haben Martin Brodeur, Ryan Kesler, Mike Cammalleri und Paul Stastny gemeinsam? Sie standen ganz oben auf der Liste der gehandelten Spieler und sie können ihre vielleicht schon gepackten Koffer wieder auspacken. Für sie fand sich kein Abnehmer oder zumindest nicht zum geforderten Preis.

Die Kader für den Saisonendspurt stehen jetzt also fest. Die General Manager können sich zurücklehnen und hoffen, dass sie die richtigen Entscheidungen getroffen haben. Wer den großen Clou gelandet oder sich verschlechtert hat, wird sowieso erst die Zukunft zeigen.