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Vor über 100.000 Zuschauern

Montag, 12.30.2013 / 4:40 PM / Bridgestone NHL Winter Classic

Von Bernd Roesch - Eishockey.com

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Vor über 100.000 Zuschauern
Eine Vorschau auf das 2014 Bridgestone Winter Classic zwischen Detroit und Toronto.

Die Spannung steigt, die Vorbereitungen befinden sich in der heißen Phase und auch das Wetter wird dem Ereignis entsprechend mitspielen. Am Neujahrstag wird das 2014 Bridgestone NHL Winter Classic Game zwischen den Detroit Red Wings und den Toronto Maple Leafs im Michigan Stadium auf dem Campus der University of Michigan stattfinden. Die Wettervorhersagen für den 1. Januar lauten kühle -8 Grad Celsius bei leichtem Schneefall. Wer fühlt sich da nicht daran erinnert, wie er sich mit den Schlittschuhen um die Schultern auf den Weg zum nächsten zugefrorenen Weiher gemacht hat, um sich dort mit Freunden zu einem Eishockeymatch zu treffen?

Eine Nummer größer geht es in zwei Tagen zu. Nach monatelanger Vorbereitungszeit und mühevoller Arbeit, vor allem in den letzten Wochen, hat es die National Hockey League geschafft das Football-Stadion der Universität von Michigan in einen Eishockeytempel zu verwandeln, in dem über 100.000 Fans Platz finden werden, um dem spektakulärsten Freiluftspiel in der Geschichte des Eishockeys beizuwohnen.

Die Tradition der NHL-Freiluftspiele hatte am 22. November 2003 mit dem sogenannten Heritage Classic begonnen. Damals waren die Edmonton Oilers und die Montreal Canadiens im Commonwealth Stadium von Edmonton vor gut 57.000 Zuschauern gegeneinander angetreten. Fünf Jahre danach griff die Liga diese Idee wieder auf und seit dem 1.1.2008, als die Pittsburgh Penguins und die Buffalo Sabres im Ralph Wilson Stadium von Buffalo spielten, wurde mit Ausnahme von 2013 jeweils ein NHL Winter Classic Game am Neujahrstag ausgetragen.

Das diesjährige Aufeinandertreffen soll nicht nur, sondern wird, wer möchte daran zweifeln, alles bisher Dagewesene und Gesehene in den Schatten stellen. Zum einen dürfte es zu einem neuen Zuschauerweltrekord für ein Eishockeyspiel kommen, der an gleicher Spielstätte am 11. Dezember 2010 mit 104173 Besuchern bei der Partie zwischen den Teams der University of Michigan und der Michigan State University aufgestellt wurde. Zum anderen nimmt mit den Toronto Maple Leafs erstmals eine kanadische Traditionsmannschaft auf us-amerikanischem Boden an einem NHL Winter Classic Game teil und als Gegner wartet auf diese auch noch mit den Red Wings ein weiteres 'Original Six' Team. Besonderen Zündstoff bezieht die Begegnung aus der geographischen Nähe beider Franchises, die, und das ist für den nordamerikanischen Kontinent wahrlich keine Entfernung, nur knapp 400km auseinanderliegen, aus der langen Tradition ihrer Aufeinandertreffen und daraus, dass sie seit diesem Jahr nach der Ligaumstrukturierung wieder in der gleichen Division der Eastern Conference eingeteilt sind.

Die erste Partie zwischen Detroit und Toronto fand am 4. Januar 1927 zwischen den Detroit Cougars und den Toronto St. Patricks statt. Die Kanadier gewannen diese mit 2-1 Toren. Zum bis dato letzten und 645 Mal trafen sich die Kontrahenten vor gerade einmal neun Tagen. Beim 5-4 Erfolg der Red Wings nach Penaltyschießen im Air Canada Center von Toronto bekam man schon einmal einen Vorgeschmack darauf, welches Eishockeyfestival einen am ersten Tag des Neuen Jahres erwarten könnte. Brisant ist auch die Tatsache, dass beide Teams aktuell in der Tabelle der Atlantic Division punktgleich die Plätze vier und fünf einnehmen und schon jetzt zur Saisonmitte hin auf jeden Zähler im Kampf um einen Playoffplatz angewiesen sind. Dementsprechend ist auch aus sportlicher Sicht einiges zu erwarten.

Gibt es einen Favoriten? Selbstverständlich nein! Viele kleine und auch große Faktoren dürften bei der Entscheidung über Sieg oder Niederlage eine gewaltige Rolle spielen. Die Red Wings dürften angesichts ihrer negativen Heimbilanz von bisher erst sechs Siegen aus 22 Partien froh darüber sein, dass sie diesmal nicht in der Joe Louis Arena ran müssen. Gelegenheit, erstmals Bekanntschaft mit der ungewohnten Freiluftbühne zu machen, bekommen sie an Silvester um 12:00 Uhr Mittags Ortszeit beim Mannschaftstraining. Drei Stunden später dürfen dann die Gäste aus Toronto die Qualität des Eises bei frostigen Temperaturen testen. Was aber nicht trainiert werden kann, das ist die Atmosphäre, welche die Protagonisten am Spieltag, wenn das Stadion voll besetzt sein wird, erwartet. Die Euphorie, der Jubel von den frenetischen Fans dürfte bei jedem Spieler eine Gänsehaut hervorrufen. Es ist schwierig sich hierbei auf sein Spiel zu konzentrieren, wenn die Emotionen so hoch kochen. Jenes Team, welches dies als erstes gelingt, hat einen klaren Vorteil.

Während für die Red Wings ihre Generalprobe für den Event noch aussteht, sie müssen heute Nacht noch einmal auswärts in Nashville antreten, haben diese die Leafs schon hinter sich und mit Bravour bestanden. Mit 5-2 Toren bezwangen sie die Hurricanes und können sich nun einen Tag länger als ihr Gegner mental auf das anstehende Match vorbereiten. Leafs Headcoach Randy Carlyle ist auf jeden Fall froh darüber, dass es nun bald soweit ist: "Es war in den vergangenen Tagen nicht immer leicht, die Spieler auf die jeweils anstehenden Aufgaben zu fokussieren, angesichts des Trubels rund um das Bridgestone Winter Classic Game." Man muss anerkennen, dass ihm das ganz gut gelungen ist. Die Leafs haben in ihren vergangenen fünf Partien jeweils punkten können und in ihren letzten zwei sogar doppelt. Gerade rechtzeitig zum Saisonhöhepunkt wieder fit wurde Center Tyler Bozak, der es bei seiner Rückkehr gegen Carolina gleich auf drei Assists gebracht hatte. Auch Phil Kessel konnte mit drei Treffern bei den letzten zwei Siegen überzeugen. Wem wird Carlyle den Vorzug auf der Torhüterposition geben? Jonathan Bernier ersetzte beim letzten Duell mit den Wings am 21. Dezember James Reimer nach dem ersten Drittel, in dem dieser drei Gegentore einstecken musste. Auch in den folgenden drei Spielen konnte Bernier mit insgesamt 115 Saves überzeugen. Auch wenn sich Reimer schon sehr auf den anstehenden Event freut und sich zu diesem Anlass extra eine Torhütermaske hat neu lackieren lassen, so wie es aktuell aussieht, dürfte wohl Bernier den Vorzug vor ihm bekommen.

Auf der Gegenseite steht mit Jonas Gustavsson ein Ex-Leaf im Kasten. Mit ihm im Tor konnten die Red Wings dreimal hintereinander gewinnen, ließen dabei aber auch neun Gegentreffer zu. Die Defensive ist aktuell eine Achillesferse der Wings. Für sie spricht, dass sich mit Teamkapitän Henrik Zetterberg und Justin Abdelkader zwei ungemein wichtige Spieler von der Verletztenliste zurück gemeldet haben. Pavel Datsyuk und Daniel Alfredsson sind immer für Treffer gut, vor allem im Powerplay, und verfügen auch über die notwendige Erfahrung um mit einer solchen Ausnahmesituation, wie wir sie im 'The Big House' vorfinden werden, klar zu kommen.

Wie auch immer diese Begegnung enden wird, ich sehe die Leafs leicht im Vorteil und prognostiziere einen knappen Sieg mit einem Treffer Vorsprung, eines steht jetzt schon fest. Es wird ein Eishockeyfest für Groß und Klein, für Jung und Alt werden, das man nicht vergessen wird und das einen Platz in den Eishockeygeschichtsbüchern einnehmen wird.