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Spieler im Fokus: Seidenberg und sein Vertrag

Dienstag, 10.01.2013 / 5:33 PM / NHL.com/de - Spieler im Fokus

Von Stefan Herget - Eishockey.com

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Spieler im Fokus: Seidenberg und sein Vertrag
Spieler im Fokus: Seidenberg und sein Vertrag

Man könnte meinen Dennis Seidenberg sei ein Verlierer des Sommers. Erst scheiterte er mit seinen Boston Bruins äußerst dramatisch im Stanley Cup Finale an den Chicago Blackhawks und dann geht er mit einem auslaufenden Vertrag in die neue Saison, während andere hoch dotierte Neuabschlüsse erzielen konnten. So wurden Torhüter Tuukka Rask mit insgesamt 56 Millionen US-Dollar und Center Patrice Bergeron mit 52 Millionen US-Dollar Verträgen von den Bruins ausgestattet.

„So ist das Leben“, sagt Seidenberg nüchtern mit dem Verweis, dass eben andere Spieler mehr im Fokus des Vereins standen. „Einige Jungs sind Franchisespieler und dahin versuche ich immer noch zu kommen.“ Der 32-jährige Deutsche weiß aber die Situation zu Händeln und wie er damit umzugehen hat: „Man muss sich auf sein Spiel konzentrieren und was man dort erreichen kann und alles andere zählt nicht.“

Der gebürtige Schwenninger kennt sich mit solchen Gegebenheiten gut aus, erhielt er doch zum Anfang seiner Karriere stets nur Ein- oder Zwei-Jahres-Verträge und zuletzt erstmals einen Kontrakt über vier Jahre, der ihm pro Saison 3,25 Millionen Dollar einbrachte. Schließlich merkt er doch an, dass das Thema nicht ganz so unwichtig ist: „Natürlich denk man darüber nach, aber wenn du keine Leistung zeigst, dann hilfst es dir auch nicht weiter. Du versuchst nur es in deinen Gedanken zu vergraben, es als Antrieb zu nutzen und raus zu gehen und so hart zu spielen wie du kannst.“

Ungern erinnert er sich an die Zeit In Philadelphia, Phoenix, Carolina und Florida, wo seine NHL-Karriere stets auf der Kippe stand, weil fraglich war, ob er einen neuen Vertrag bekommt. „Es war die letzten Jahre vor dem jetzigen Abschluss schon Nerven aufreibend“, betont Seidenberg. „Ich fühlte mich jedes Jahr, wie wenn ich um einen Vertrag spielen müsse und dabei machte ich es mir nicht leicht, weil ich mich stark unter Druck setzte. Ich hatte nicht viel Sicherheit.“

Mittlerweile kann der Verteidiger dem etwas gelassener entgegen sehen, weil er sich die letzten Jahre einen guten Status, nicht zuletzt wegen seinen viel beachteten Auftritten in den Playoffs 2011 und 2013, erarbeitet hat. NHL-Experte Barry Melrose schwärmt von ihm während des Finales 2013 als einen der unterbewertesten Spieler der Liga und dass sein angemessenes Jahressalär im Bereich von sechs Millionen US-Dollar liegen müsste. Aussagen, die Seidenberg lächelnd zur Kenntnis nimmt, nicht nur weil er weiß wie schnelllebig das Geschäft ist und letztendlich nur zählt, was auf dem Papier steht, sondern auch weil er schon erfreut ist, dass er selbst bei den nordamerikanischen Analysten im Fokus steht. So etwas steigert zweifelsohne den Marktwert.

Gespräche zwischen seinem Agenten J.P. Barry und Bruins General Manager Peter Chiarelli hätten laut Seidenberg noch nicht viele stattgefunden. Daran wird sich wohl auch nicht viel ändern, ehe feststeht, wie sich der Salary Cap für die Saison 2014-15 entwickelt, nachdem er diese Spielzeit von über 70 Millionen auf 64,3 Millionen US-Dollar abgesenkt wurde. Er wäre aber selbst Verhandlungen während der Saison nicht abgeneigt, so lange er dabei weitgehend außen vor gelassen wird, um sich auf sein Spiel zu konzentrieren: „Ich würde mich nur am Rande dafür interessieren und möchte nicht involviert sein, weil es eine Ablenkung wäre, sich auf die Saison zu konzentrieren.“

Sein Ziel ist es aber in Boston zu bleiben und daher ist das Interesse den freien Markt ab Juli 2014 zu testen nicht seinem Sinne. „Meine Familie und ich fühlen uns hier sehr wohl“, unterstreicht er und hofft, dass er die Zeiten großer Umzüge hinter sich lassen konnte. Insofern ist davon auszugehen, dass Seidenberg seinen Marktwert nicht bis zum letzten ausreizen wird, um weiter ein Bruin zu sein.

Vorher muss er aber wieder die konstanten Leistungen zeigen, welche alle von ihm gewohnt waren. Seine Stärken liegen im körperlichen Spiel und im Blocken von Schüssen, wo er regelmäßig Spitzenwerte erzielt. Damit will er vergessen machen, dass es in den letzten Spielen des Stanley Cup Finales nicht so optimal lief. Eine Ursache hierfür lag wohl an der extremen körperlichen Beanspruchung, die gerade in dieser umkämpften Serie durch das lange Auftaktmatch über fast komplette drei Verlängerungen, immens war. Die Nummer 44 der Bruins stand mit fast 49 Minuten Eiszeit bei den Schwarz-Gelben am längsten am Eis.

„Selbst wenn wir gewonnen hätten, glaube ich, dass ich hätte besser sein können“, äußert sich Seidenberg selbstkritisch. „Klar waren Gegentreffer dabei, wo ich Dinge hätte anders machen können, aber so ist Sport. Sachen passieren so schnell, man hat keine Zeit darüber nachzudenken. Du versuchst dein Bestes jedes Mal wenn du auf das Eis gehst und manchmal klappt es und manchmal eben nicht.“