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Erfolgreiche unorthodoxe Spielweise

Mittwoch, 12.26.2012 / 3:27 PM / NHL.com/de - Nachrichten

Von Stefan Herget - Eishockey.com

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Erfolgreiche unorthodoxe Spielweise
Erfolgreiche unorthodoxe Spielweise

Die erste Welle von europäischen Torhütern in der NHL hatte Schwierigkeiten, sich an das nordamerikanische System des Eishockeys anzupassen: Hardy Astrom, Markus Mattson und Jiri Crha gaben alle ihr NHL-Debüt in den späten 70er Jahren, aber über den Status eines Pioniers kamen alle nicht hinaus. Das Trio scheiterte und goss damit Öl in das Feuer derer Kritiker, die europäische Schlussleute ungeeignet für die NHL hielten. Aber dann kam Pelle Lindbergh.

Lindbergh absolvierte seine ersten Partien in der Saison 1981-82 und wurde 1984-85 mit 40 Siegen in 64 Spielen für die Philadelphia Flyers mit der Vezina Trophy als bester Torhüter der Saison ausgezeichnet. Tragischerweise starb der erst 26-jährige Schwede kurz nach dem Beginn der darauf folgenden Spielzeit bei einem Autounfall.

Wenn Lindbergh seine Mythen eines erfolgreichen europäischen Torhüters weitergegeben hat, dann muss es Dominik Hasek gewesen sein, der sie geerbt hat.

Der schlaksige Hasek, ein Star in der tschechischen Eliteliga während der 80er Jahre, wurde in den ersten drei Jahren in Nordamerika zunächst nur gelegentlich in der NHL eingesetzt. Seit 1993-94 gehörte er jedoch nahezu ein Jahrzehnt lang zum Besten, was die Liga zu bieten hatte. Seine Stärke brachte ihm schließlich den Nicknamen 'Der Dominator' ein. Mit sechs Vezina Trophys, zwei Hart Trophys als der wertvollste Akteur der Liga und unzähligen anderen Ehrungen legte er den Grundstein für weitere Torhüterverpflichtungen anderer Teams aus Europa.

Abgesehen von den ganzen Preisen, die er während seiner Zeit bei den Buffalo Sabres gewann, einer fehlte ihm - der Stanley Cup. Buffalo zog 1999 ins Finale ein, scheiterte jedoch an den Dallas Stars. Im Sommer 2001 passte es ideal zusammen, dass die Sabres Gehälter einsparen wollten und ihre Nummer 39 interessiert war zu einem Titelanwärter zu wechseln. Kein Wunder, dass so der Deal mit den Detroit Red Wings zustande kam.

Hasek fühlte sich schnell in seiner neuen Heimat wohl und führte das mit Topspieler bespickte Team an die Spitze der Tabelle. Aber eine gute reguläre Saison ist für einen Torhüter nur ein Vorgeschmack für den ultimativen Kampf um den Cup in den Playoffs. Im Juni 2002 nach einem 4-1 Sieg nach Spielen im Finale gegen den krassen Außenseiter aus Carolina hatte Hasek seinen Namen auf dem ältesten Pokal der Sportgeschichte verewigt. Das war die Krönung einer bedeutsamen Karriere, die drei Jahrzehnte in zwei Kontinenten andauerte. Es war Zeit einen Schlussstrich zu ziehen - zunächst. Hasek erklärte seinen Rücktritt vom aktiven Sport.

"Ich habe diese Entscheidung getroffen, weil ich nicht das Gefühl hatte, dass ich in der nächsten Saison auf dem höchsten Level weiterspielen könne", erinnert sich Hasek. "Nachdem ich den Cup gewonnen hatte, war mir bewusst, dass ich alles gewonnen hatte, was es im Hockey zu gewinnen gab und ich hatte einfach nicht mehr genügend Motivation. Und ohne diese, spielt man nicht und schon gar nicht ich."

Haseks selbstempfundener notwendiger Abgang war aber nur von kurzer Dauer. Zum Gefallen seiner Teamkollegen, des Managements und dem seiner Fans, gab er im Sommer 2003 bekannt, dass er für die Saison 2003-04 nach Hockeytown zurückkehren wird. Der Tscheche bereute aber seine Entscheidung von damals nicht und hielt die vollzogene Unterbrechung für wichtig: "Ich hatte eine Pause im letzten Jahr, um mehr Zeit mit meiner Familie verbringen zu können und Hobbies nachzugehen, die ich jahrelang als Spieler nicht verfolgen konnte. Nun glaube ich, dass ich wieder ausgewogener in meinem Leben bin und deswegen mehr zum Spiel beitragen kann. Meine Batterien sind wieder aufgeladen."

Die Ausgewogenheit und seine Flexibilität suchten seinesgleichen und wurden als legendär angesehen. Aber gerade deswegen war er von seiner körperlichen Verfassung, seelisch und physisch besonders abhängig. Hasek lebte von seinem Stil, seiner Schnelligkeit. Der damals 38-jährige Tscheche erhielt sich seine Fitness durch intensive sportliche Aktivitäten, wie Squash, Fußball oder Inline-Hockey - als Verteidiger. Doch bereits im Frühling erwachte in ihm das Verlangen die Torhüterpads wieder anzulegen.

Das Ziel war ganz klar einen weiteren Stanley Cup zu gewinnen. Hasek war bereit, gewillt und in der Lage sich dem Wettkampf zu stellen: "Ich fühle, dass das Feuer erneut brennt. Ich gebe jeden Tag im Training alles, weil ich hoch motiviert bin. Das ist der Grund, warum ich zurückgekommen bin, in der NHL zu bestehen und um den Cup zu spielen."

Obwohl der Stanley Cup 2002 in Detroit die Krönung seiner Karriere war, darf das nicht seine unglaubliche Arbeit in Buffalo über Jahre hinweg überschatten. "Hasek hat sich dort zum Nummer 1 Goalie gemausert", sagt Ex-Sabres Spieler und jetziger Trainer Craig Ramsey. "Jahr für Jahr, waren die Buffalo Sabres nur Mittelmaß und Jahr für Jahr führte er die Torhüterstatistiken eisern an. Als ich in Ottawa trainierte, trafen wir auf die Sabres in den Playoffs und ich erinnere mich noch genau, als wir eines Tages die Statistiken studierten und feststellten, dass die Sabres über 500 Schüsse mehr zugelassen hatten als wir. Sogar bei 90 Prozent Fangquote würden das 50 Gegentore mehr bedeuten. Aber die Sabres wurden Erster in der Conference und wir nur Achter."

Hasek wies eine unglaubliche Fähigkeit den Puck zu antizipieren auf. "Er hatte einen wahnsinnigen Willen zu gewinnen", bestätigt der ehemalige New York Islanders Startorhüter Chico Resch. "Dominik war ein instinktiver Spieler mit dem Willen jeden Abend der Beste zu sein. Seine Konzentrationsfähigkeit war schier unglaublich und sein Spielniveau war schon lange so hoch."

Indem er blitzartige Reflexe und die Fähigkeit den Puck mit jedem Teil seines Körpers zu stoppen besaß, macht er Saves, die andere nicht einmal versuchen würden. Dies brachte ihm die Anschauung vieler ein, ein unorthodoxer Torhüter zu sein.

Doch sein ehemaliger Trainer während sieben Spielzeiten in Buffalo Mitch Korn bestreitet dies: "Dominik war nicht so unorthodox wie jeder glaubt. Ein unorthodoxer Stil zeichnet sich dadurch aus, dass man bei zehn gleichen Schüssen acht Mal unterschiedlich reagiert. Dominik hingegen las jeden Spielzug und traf antizipierende Entscheidungen. Er hatte eine außergewöhnliche Beinarbeit und das nutzte er unheimlich zu seinem Vorteil. Es mag bei ihm unorthodox ausgesehen haben, weil er etwas andere Maße hatte als bei Torhüter sonst üblich. Er schaute kleiner aus, weil er so dünn war."

"Dominik war aber unglaublich flexibel und daher in der Lage seinen Körper in fast jede Position zu bringen, den Puck zu stoppen", fährt Korn fort. "Er war in der Lage Saves zu machen, indem er seine Schulter oder die Knie in eine Position bringt, wo bei anderen etwas reißen würde. Man kann das trainieren und Dominik machte das natürlich auch, aber zum großen Teil ist das Gott gegeben."

Dominik Hasek war von 2003 bis 2008 noch vier Spielzeiten in der NHL tätig, eine davon 2005-06 für die Ottawa Senators, ehe er zum zweiten Mal nach Detroit zurückkehrte und dort 2008 im Alter von 43 Jahren seinen zweiten Stanley Cup feiern konnte, obwohl er nur mehr teilweise Ersatz war. Nach einer Saison in Tschechien und einer in der russischen KHL beendete er 2011 vielleicht endgültig seine Karriere. Wen wunderte es jedoch, dass es bereits im Sommer 2012 Gerüchte über sein Comeback gab?