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Der Chef der Islanders-Dynastie

Mittwoch, 11.07.2012 / 1:20 PM / NHL.com/de - Nachrichten

Von Robin Patzwaldt - Eishockey.com

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Der Chef der Islanders-Dynastie
Der Chef der Islanders-Dynastie

Lassen Sie sich in die 70er- und 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts entführen! Folgen Sie uns auf den Spuren der Geschichte eines der besten Verteidiger der NHL-Historie: Denis Potvin.

Der am 29. Oktober 1953 in Ottawa geborene Kanadier spielte in der NHL zwischen 1973 und 1988 nur für eine einzige Franchise - die New York Islanders! In dieser Zeit konnte er gleich vier Mal den Stanley Cup mit seinen 'Isles' gewinnen und führte diese Franchise als Kapitän in unzählige geschichtsträchtige Playoffduelle.

"Ich erinnere mich noch an meine Kindheit in Ottawa. Mein Vater hat abends die Eisfläche in unserem Garten mit Wasser präpariert. Ich saß dann hinter der leicht zugefrorenen Scheibe in meinem Zimmer in meinem Montreal Canadiens Trikot und starrte stundenlang nach draußen und verfolgte wie das Wasser langsam gefror. Ich konnte es einfach nicht erwarten, am nächsten Tag auf die frische Eisfläche zu kommen und Hockey zu spielen", erzählt Potvin mit noch heute vor Begeisterung leuchtenden Augen.

Doch zunächst musste Denis im Alter von 13 Jahren eine Grundsatzentscheidung treffen: Sollte er Football- oder Hockeyspieler werden?

"Football war meine eigentliche Leidenschaft damals, aber ich entschied mich dann letztendlich doch für Hockey, weil man mir dort 17 Dollar pro Woche zahlen wollte", schmunzelt der heute 59-jährige Veteran im Nachhinein über die Begründung seiner Entscheidungsfindung.

Schon als Junior im Team der Ottawa 67s, wenig später, überzeugte der hart checkende Verteidiger die Scouts der NHL, dass seine Entscheidung für den Hockeysport wohl die Richtige war.

Mit seinen knapp 100 kg bei 185 cm Körpergröße brachte der junge Spieler auch körperlich die besten Voraussetzungen für eine Karriere auf höchstem Niveau mit.

In seiner letzten Juniorensaison in Ottawa stellte er mit 123 Punkten sogar einen neuen Verteidigerrekord auf.

Ausgestattet mit Talent und Kampfeswillen wie kaum ein anderer in seiner Position beeindruckte er auch gleich zu Beginn seiner NHL-Zeit an beiden Enden der Eisfläche.

Islanders General Manager Bill Torrey wählte mit Potvin den vielleicht nach Bobby Orr besten Verteidiger der Ligageschichte. Torrey schwärmt noch heute von ihm: "Denis war mit 15 Jahren schon ein ausgewachsener kräftiger junger Mann. Er hatte eine unglaubliche körperliche Präsenz auf dem Eis, und er konnte checken wie kein anderer. Wir wählten ihn im 1973er-Draft an Nummer Eins.

Das war eine einfache Entscheidung. Er war eindeutig der mit Abstand beste Spieler im Draft. Ich wünschte alle unsere Draft-Entscheidungen danach wären immer so eindeutig und einfach gewesen!"

Die Islanders, zu diesem Zeitpunkt noch ein sehr junges NHL-Team, boten ihrem Top-Draftpick gute Gelegenheit sich zu entwickeln. Er bekam ausreichend Eiszeit, um seine Spielweise zu entfalten.

Noch heute erinnert sich Potvin an seine Anfänge in der NHL: "Mein allererstes Drittel in der NHL spielte ich damals in Atlanta ohne Helm. Ich hatte keinen farblich passenden Helm dabei und musste daher notgedrungen ohne Kopfschutz auf das Eis. Ich hatte Todesangst, denn das widersprach allem, was ich im Juniorenbereich gelernt hatte. Das weiß ich noch bis heute!" Dabei schmunzelt er im Nachhinein sichtbar über seine ungeliebte und etwas missliche Situation damals.

Lohn für die harte Arbeit über die Premierensaison hinweg war die Calder Trophy als Top-Rookie des Jahres 1974. Bereits in seiner zweiten NHL-Saison übertraf Denis die 20-Tore-Marke. Dies gelang ihm in seiner NHL-Zeit insgesamt neun Mal. Drei Mal schoss er dabei sogar über 30 Tore.

Bobby Clarke, zu dieser Zeit Kapitän der Philadelphia Flyers, ist noch heute voller Respekt vor Potvin: "Denis hatte auch einen unglaublichen Schuss. Wenn er auf unser Tor gefeuert hat, dann wäre man am liebsten sofort aus dem Weg gegangen, so hart waren seine Geschosse! Und seine körperlichen Eigenschaften waren schier unglaublich. Er war so kräftig und ausdauernd wie ich es nur ganz selten bisher gesehen habe."

Potvin ergänzt: "Ich habe immer gerne meinen Körper eingesetzt. Und es hat mir auch nichts ausgemacht, wenn ich mal selber etwas abbekommen habe. Für mich gehört das einfach zum Hockey. Nur so macht es doch richtig Spaß auf dem Eis. Ich weiß, dass es mit mir als Gegner auch nicht immer einfach war. Manchmal konnte ich richtig ausrasten, wenn etwas nicht so lief wie ich wollte."

In den 70er-Jahren unterlagen die New Yorker in den Playoffs zunächst noch rasch und teilweise sehr deutlich ihren Gegnern. An der positiven Gesamtentwicklung änderte diese Tatsache jedoch nichts. In der gesamten Karriere verpasste Potvin nur ein einziges Mal die Playoffs, nämlich direkt in seiner Rookie-Saison 1973/74. Danach fanden die NHL-Playoffs in der Karriere des Denis Potvin 14 Jahre in Folge nicht mehr ohne ihn und seine Isles statt.

Nach der Ernennung Potvins zum Kapitän des Teams im Jahre 1979 sollte sich dann eine Periode in der Franchisegeschichte des Teams aus Long Island anschließen, die bis heute ihres gleichen sucht. Fünf Mal in Folge zog man in das Stanley Cup Finale ein. Eine Leistung, die außer den Mannen von der langen Insel bisher nur die Montreal Canadiens vorzuweisen haben. Vier Mal davon konnte Potvin zum Saisonende den begehrten Pokal in die Höhe stemmen!

Besonders der vierte Stanley-Cup-Triumph ist Denis noch immer in sehr guter Erinnerung: "Ich weiß noch genau wie ich den Pokal in die Höhe stemmte und sogleich zu meinem Vater in einer der Logen hoch blickte. Mein Vater kämpfte damals schon einige Monate mit Krebs und kam gerade von der Chemotherapie zurück. Ich bilde mir noch heute ein, dass ich in diesem Moment die Freudentränen in seinen Augen gesehen habe, obwohl die Entfernung zwischen uns ja recht groß war. Ein paar Mal habe ich ihn danach noch getroffen, aber nie wieder habe ich ihn so glücklich gesehen, wie in diesem Moment. Das Leben geht weiter, aber das ist eine der Erinnerungen, die ich für immer mit mir tragen werde. Damals war ich unglaublich glücklich und stolz!"

Fünf Mal wurde der Verteidiger in das All Star Team der Liga gewählt, drei Mal wurde er nach Saisonschluss zum besten Verteidiger der Liga ernannt.

Auch der Torwart seines Teams in gemeinsamen Tagen bei den Islanders, Billy Smith, lobt Potvin noch heute in den höchsten Tönen: "Die Leute unterschätzen seinen Beitrag zu unserem Erfolg noch immer viel zu sehr. Er hat quasi jede Nacht 35-40 Minuten Eiszeit gehabt. Fast hatte man als Mitspieler den Eindruck, dass er immer mit auf dem Eis stand. Er machte einfach alles. Er war im Powerplay und in Unterzahl mit auf dem Eis. Seine Leistungen und sein Einsatz für unser Team damals sind gar nicht hoch genug zu bewerten."

Als erster Verteidiger durchbrach der sympathische, außerhalb der Eisflächen stets freundliche Kanadier die 300-Tore-Marke und übertraf die 1.000-Punkte-Grenze in der NHL.

Bis zu seinem Rücktritt vom aktiven Sport nach der Saison 1988 blieb der Teamkapitän durchgängig ein Top-Verteidiger auf Weltniveau und wurde folglich bereits im Jahre 1991 in die Hockey Hall of Fame in Toronto aufgenommen.

Dies geschah durch eine bis heute unvergessene und bisher einmalige Geste: Die feierliche Zeremonie zur Aufnahme in die Hall of Fame fand Potvin zu Ehren in seiner Heimatstadt Ottawa statt, nicht wie sonst üblich in den Räumlichkeiten in Toronto.

Seine legendäre Nummer 5 war die erste Nummer, die bei den Islanders nicht mehr vergeben wurde und ziert noch heute stolz das Hallendach im Nassau Coliseum auf Long Island, der Spielstätte des Teams.

Am Ende seiner großen Laufbahn stehen für ihn 310 Saisontore und 1.052 Punkte zu Buche. In den Playoffs gelangen Denis Potvin zusätzlich 56 Treffer und 108 Assists. Beeindruckend!