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Vor einem würdigen Karriereende?

Samstag, 05.26.2012 / 3:59 PM / NHL.com/de - Nachrichten

Von Markus Schäffler - Eishockey.com

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Vor einem würdigen Karriereende?

Die zwei Champions der beiden Conferences stehen fest! Nachdem die Los Angeles Kings bereits in der Nacht zum vergangenen Mittwoch ihre Kontrahenten, die Phoenix Coyotes, zum vierten Mal besiegt hatten, folgten ihnen jetzt die New Jersey Devils, indem sie ihre Erz- und Lokalrivalen aus Manhattan innerhalb von sechs Begegnungen ausschalteten. Während die Kalifornier erst zum zweiten Mal in ihrer Franchisegeschichte nach 1993 im Stanley Cup Finale stehen, schafften das die Devils seit 1995 jetzt schon zum fünften Mal. Bei drei dieser Gelegenheiten holten sie die Meisterschaft, denn nur 2001 scheiterten sie an den Colorado Avalanche.

Im Gegensatz zu ihren Rivalen aus Los Angeles, die mit lediglich zwei Niederlagen in 14 Spielen das Finale erreichten, mussten die Devils bisher 18 Partien absolvieren. In der ersten Runden bogen sie einen 2-3 Rückstand gegen die Florida Panthers um und in der letzten Runde machten sie mit drei Siegen hintereinander aus einem 1-2 ein 4-2. Nur im Conference-Halbfinale taten sie sich scheinbar leicht, konnten die Philadelphia Flyers doch nur das Eröffnungsspiel für sich entscheiden. Ein gewisser konditioneller Vorteil für das Team aus dem Westen ist sicherlich vorhanden, wobei das Ringen um die höchste Trophäe im Eishockey bekanntlich versteckte Reserven mobilisieren kann.

Mit eventuellen Kräfte-Problemen dürfte New Jerseys Torhüterlegende Martin Brodeur auf Grund seiner Aufgabe im Team nicht zu kämpfen haben, obwohl er bei allen Playoffspielen 2012 zwischen den Pfosten stand. Selbst wenn er mit seinen 40 Jahren an seine Grenzen stoßen sollte, macht er dies mit Routine und Erfahrung wett. Nach 1191 Ligaspielen und 199 Playoffpartien, sowie drei Stanley Cups, dürfte davon mehr als ausreichend vorhanden sein.

Der im kanadischen Montreal geborene Ausnahmegoalie musste mit seinen Devils bereits fünf Mal in den Playoffs gegen die New York Rangers ran, wobei er 1994, 1997, sowie 2008 scheiterte und vor 2012 nur 2006 glatt mit 4-0 Siegen gewann. Besonders dramatisch ging es dabei in seiner Rookiesaison 1994 zu, als die Devils im entscheidenden siebten Spiel zur zweiten Pause aussichtsreich in Führung lagen. New Yorks Mark Messier löste innerhalb der folgenden 20 Minuten doch noch sein Fan-Versprechen ein und bezwang Brodeur drei Mal, wodurch er eine Verlängerung erzwang. In der zweiten Overtime musste New Jerseys Nummer 30 dann ein weiteres Mal den Puck aus dem Netz fischen und die Devils waren nach ihrer bis dahin besten Saisonleistung der Vereinshistorie ausgeschieden.

Die langjährige Rivalität zwischen den New Jersey und New York besteht indes hauptsächlich zwischen den Fans, glaubt man Bordeurs Worten nach dem letzten Triumph: "Ein Playoffsieg gegen die Rangers ist für mich nichts besonderes. Aber unseren Fans und den Leuten, die uns unterstützen, haben wir sicherlich eine Freude bereitet. Sie werden in der nächsten Zeit ihre Arbeit oder was auch immer bestimmt mit mehr Freude fortführen."

Sein kalifornischer Kontrahent Jonathan Quick ist der momentan beste Torwart dieser Playoffs. Er führt mit 1,54 Gegentoren im Schnitt und einer Fangquote von 94,6 Prozent beide Kategorien souverän an. Sein um fast 14 Jahre älterer, aber weitaus reiferer Rivale Brodeur brachte es auf 2,04 und 92,3, welche angesichts der 18 absolvierten Partien von guten Leistungen zeugen. Erfahrung gegen Topform lautet also die Devise im Vergleich zwischen den beiden Torstehern. Ein Einbruch aufgrund von beispielsweise Nervosität ist dabei eher dem derzeitigen Shootingstar Quick zuzutrauen. Wenn man der sehr verbreiteten Weisheit, dass 50 Prozent eines Eishockey-Teams der Torhüter ausmacht, Glauben schenken darf, haben die Devils hier einen großen Trumpf in der Hand.

Neben Martin Brodeur befinden sich mit Bryce Salvador und Ilya Kovalchuk zwei weitere Hochkaräter in den Reihen der Devils. Der erstgenannte Blueliner ist mit elf Punkten der zweiterfolgreichste Verteidiger und belegt mit +10 den ersten Platz in der Kategorie Plus-Minus. Sein russischer Kollege aus dem Sturm führt mit 18 Zählern mittlerweile die Scorerliste an und half mit seinen fünf Überzahltoren die Devils auf den vierten Platz der Powerplaystatistik zu hieven. Die Kings belegen hier nur den 15. Platz, waren aber bisher das zweitbeste Team in Unterzahl. Deren beste Spieler sind Drew Doughty und Dustin Brown, die ihren beiden genannten Rivalen kaum oder in gar nichts nachstehen.

Offenbar haben die beiden Mannschaften im diesjährigen Stanley Cup Finale sehr unterschiedliche Qualitäten. Während die Devils mehr einen offenen Schlagabtausch bevorzugen oder zumindest eher offensiv agieren, konzentrieren sich die Kings zunächst auf die Sicherung des eigenen Drittels und versuchen hauptsächlich durch Konter den einen oder anderen Treffer zu erzielen. Es wird besonders viel auf Jonathan Quick ankommen, der weitaus besser agieren muss, wie New Jerseys Schlussmann, denn deren Spiel baut wesentlich auf seine Leistung auf. Deshalb sind die Chancen auf Martin Brodeurs vierten Stanley Cup Triumph höher, als der erste Titel für Quick und Los Angeles. Für den Routinier wäre es zumindest ein würdiger Abschied aus der NHL und der richtige Zeitpunkt für sein glorreiches Karriereende.